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Das Riesen- Piano- Akkordeon - weltgrößter Vertreter dieser Gattung

Größtes Akkordeon der Welt Aufnahme der Artistengruppe Doorlay mit dem
Riesenpianoakkordeon ( Foto: Museumsarchiv)

Kuriositäten rufen bei Besuchern erstaunte und neugierige Gesichter hervor, Fotografen und Kameraleute bevorzugen sie gern als Fotoobjekte.
In unserer Sammlung kann man bei fast jeder Instrumentengattung Exponate bewundern, die nicht alltäglich sind und den Einfallsreichtum ihrer Erbauer gepaart mit handwerklichem Können demonstrieren. Das am häufigsten fotografierte Instrument, das als einmalig in der Welt auch im Guinnessbuch der Rekorde erwähnt wird, ist das Riesen- Piano- Akkordeon. 

Es sieht mit seinen über 1.80 m nicht nur attraktiv aus, sondern hat auch eine interessante Geschichte. 1937 erhielt die Klingenthaler Firma Gebrüder Gündel (später Barcarole- Harmonikafabrik) von dem englischen Varieté-Unternehmen “Doorlay- Revueshow” den Auftrag für die Herstellung eines Riesen- Piano- Akkordeons. Nach intensiver Vorarbeit, an der auch die Firma Paul Windisch aus Klingenthal beteiligt war, wurde schließlich die Zwotaer Firma Glaß und Schmidt mit dem Bau beauftragt.
Das Akkordeon weist 128 Diskanttasten und 423 Baßknöpfe, davon 360 klingende, auf.Die gesamte Konstruktion gleicht der eines 120 bässigen Pianoakkordeons, musste aber den ungewöhnlichen Größenverhältnissen angepasst werden.Vor allem die Bassstimmen sind übergroß. Durch eine Diskanttaste erklingen bei Zug bzw. Druck des Balgs jeweils vier Tonzungen. Das Gewicht von über 100 kg erforderte das Anbringen von Rädern, mit deren Hilfe es bewegt werden konnte. 2000 Liter Luft kann der Balg schöpfen, immerhin müssen mehrere 100 von den insgesamt 1384 Stimmen gleichzeitig erklingen können. Als besonders schwierig erwies sich das Reinstimmen.
Es war nicht möglich, das Instrument erst zusammen zu setzten und danach zu stimmen, wie normalerweise üblich. Es mussten drei Instrumente gebaut werden, in denen die einzelnen zusammengehörenden Stimmsätze in sich reingestimmt wurden. Die äußere Ausstattung wurde zweckentsprechend prunkvoll gewählt. Mit großen Buchstaben sind die Namen der Revue DOORLAY und der Vertriebsfirma GLASS MAGISTER angebracht. Von 1938 bis 1940 spielte die Artistengruppe bestehend aus sechs jungen Damen auf dem Riesen-Piano-Akkordeon. In einem Zeitungsartikel von 1937 sind Auftritte in Karlsbad, London und Südafrika angekündigt. Nachweisbar sind Gastspiele im Kristallpalast in Leipzig, im Apollotheater Nürnberg und in der Berliner Scala im Jahre 1938.
Bereits im Sommer 1939 wurde das Akkordeon wieder nach Klingenthal geschickt wegen einer notwendigen Reparatur und mit der Bitte um Anbringung eines Gebläsemotors. Offensichtlich war das Aufziehen des Balgs mit Schwierigkeiten verbunden. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges ist wohl verantwortlich dafür, dass das Instrument nicht mehr abgeholt wurde. Ins Museum kam das Instrument erst 1967, zunächst als Leihgabe von der Firma Barcarole, die es anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums 1983 der Einrichtung schenkte.
Spielbar ist es nicht mehr, da die Tonzungen während des Krieges ausgebaut wurden. Vorschläge, es zu reparieren, wurden von den Fachleuten wegen des großen Aufwandes stets abgelehnt. Offensichtlich aus dem gleichen Grund hat sich bis jetzt niemand an einen Nachbau gewagt.  

Ein Meisterstück der besonderen Art - die gestreckte Tuba

Gestreckte Tuba Tuba in gestreckter Form, gebaut von E. Körner, Markneukirchen 1913

Ein ebenfalls überdimensioniertes Musikinstrument begrüßt den Besucher im Foyer des Paulus-Schlössels. Hierbei ist nicht die Länge der Tuba oder Riesen-Fanfare von 4.65 m (bis 5.25 m ausziehbar) ungewöhnlich, sondern die Größe des Schallstückes. Emil Körner hat es verstanden, ein Schallstück von einem Durchmesser von 102 cm anzufertigen, das an der engsten Stelle einen Durchmesser von nur 14,5 cm aufweist. Es wurde als Meisterstück im September 1913 angefertigt. 

Er erhält für dieses mit hohem handwerklichen Aufwand gefertigte Schallstück bis heute viel Anerkennung. Die Idee, an das Schallstück ein Rohr der Länge einer B-Tuba anzusetzen, wurde im Juli 1928 verwirklicht, als sich die Markneukirchner Turner am 28. Deutschen Turn- und Sportfest in Köln beteiligten. Beim Festumzug präsentierten sie stolz das mit einer Markneukirchner Fahne versehene Instrument, das von zwei Sportlern getragen und von einem weiteren angeblasen wurde.
Auch später war es bei Umzügen und Stadtfesten ein attraktives Schaustück. Die Tuba wiegt 13.5 kg, wobei das Schallstück allein schon 8.2 kg schwer ist. Ins Museum wurde sie von Emil Körner Ende 1928 gegeben.  

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Der große Kontrabass - nicht nur ein Schaustück

Einen durchaus musizierpraktischen Hintergrund hat die Herstellung von übergroßen Kontrabässen. Sie klingen nicht tiefer als die üblichen Bässe, sondern kräftiger und waren somit interessant für den Einsatz in großen Kirchen und Konzertsälen. Das Alter des über 2 m großen Kontrabasses wird auf 300 Jahre geschätzt. Laut Inventarbuch stand er eine Zeitlang in der Dresdner Frauenkirche.

Nach Markneukirchen kam das Instrument am 9.9.1942 nach 1 ½-jährigen Bemühungen um einen Transport seitens der Stadtverwaltung.Nachdem durch den Markneukirchner Bürgermeisters eine Übernahme des Kontrabasses als Leihgabe abgelehnt wurde, stimmte der Sächsische Altertumsverein einer Schenkung zu. Die Maße des Basses wurden mit 2,30 m Länge, 0.90 m größte Breite und 0.33 m Tiefe angegeben. Dafür musste nun eine Kiste gefunden und nach Dresden geschickt werden.
Eine Kiste von diesen Ausmaßen war im Instrumentenhandel nicht üblich, und so entschied man sich für einen zusammenklappbaren Lattenrost. Es stellte sich aber heraus, dass dieser für einen Transport mit der Bahn zu groß war. Auf Lastkraftwagen konnte man nicht zurückgreifen, weil zu dieser Zeit die Fernfahrten schon stark eingeschränkt waren. Mittlerweile hatte man herausgefunden, dass die Beförderung durch die Reichsbahn mit Genehmigung des Dresdner Reichsbahnverkehrsamtes möglich war. So wurde dem Altertumsmuseum seitens der Stadtverwaltung genau beschrieben, mit welcher Sorgfalt der Kontrabass verpackt werden sollte. Im September wurde der Lattenverschlag endlich nach Dresden gesandt. Kurt Jacob vermerkte in der Geschenk-Akte, dass nur Einzelteile und Splitter im Museum ankamen und Kontrabassmacher Alfred Meyer für 130 RM den Bass wieder ausstellungsreif herrichtete. Auf diese Weise blieb ein wichtiges Zeugnis vergangener Instrumentenbaukunst erhalten.

Miniaturen als Ausdruck handwerklichen Könnens  

Die kleinsten Violinen Miniaturgeigen von Robert Penzel Markneukirchen um1925

Viel bestaunt werden die Miniaturen im Glasschrank auf der Rudolf-Schuster-Diele.
Die kleinen Geigen, hergestellt von Robert Penzel 1925, würden in eine Streichholzschachtel passen. Robert Penzel gründete 1902 seine Werkstatt, wo er neben den üblichen Streichinstrumenten auch Viola d`amoren und Lauten baute.
Wie damals von einem angehenden Meister gefordert, ging er auf Wanderschaft und arbeitete in Schwerin, Hamburg und London. Er wurde in Markneukirchen als guter Geigenbauer geschätzt und erhielt in der ersten Geigenfabrik die Stelle des technischen Leiters.
Unter seiner Anleitung entstanden in der Kunstwerkstätte für Musikinstrumente, die zur Geigenfabrik gehörte, hochwertige Streichinstrumente, die bei internationalen Ausstellungen ausgezeichnet wurden.
Die Miniaturen sind ein praktischer Beweis für das handwerkliche Geschick des Erbauers. 

Sie sind in einer Größe von nur 56 mm originalgetreu nachgebaut. Angespielt werden können sie allerdings nicht. Das menschliche Ohr wäre außerdem kaum in der Lage, die abgegebenen Töne zu hören. Es sind Kostbarkeiten, die der Meister in der Regel nur einmal in seinem Leben gebaut hat. Das Streichquintett, mit zwei Geigen, Bratsche, Violoncello und Kontrabass, 1948 hergestellt in den Werkstätten von Johannes Adler, kam 1985 in einer Fernsehsendung zum Einsatz.
Musiker des Leipziger Gewandhauses spielten einen Satz aus Mozarts “Kleiner Nachtmusik” und demonstrierten damit den maßgerechten Nachbau von 1/64 großen Streichinstrumenten.

Mechanische Spielwerke und die Familie Bacigalupo

Nicht nur für Kinder anziehend ist die klavierspielende Puppe, die beim Spiel Kopf und Hände bewegt. Ein Musikspielwerk im Klavier ist mit dem Bewegungsapparat des Püppchens gekoppelt und kann durch Aufziehen zum Klingen gebracht werden. Auch das Fotoalbum und die Zigarrenkiste haben eingebaute Walzenspielwerke, die beim Öffnen des Deckels erklingen.
Die Abteilung der mechanischen Musikinstrumente stößt bei jedem Besucher auf großes Interesse. Man muss kein Kenner der Materie sein, um Gefallen an den Spielwerken zu finden. Bei dieser Art von Musikinstrumenten ist auch für den Laien die Funktionsweise leicht nachvollziehbar. Die filigran gearbeiteten Walzen ringen dem Betrachter Achtung vor der Leistung des Herstellers ab. Winzig kleine Stifte sind für die Melodie verantwortlich, die nach einer Walzenumdrehung beendet sein muss. Gleich daneben befindet sich die nächste Stiftreihe für die nächste Melodie.
Das Gerät kann so eingestellt werden, dass die Melodien fortlaufend spielen oder ein und dieselbe ständig wiederholt wird. Auf einer Walzenlänge von 27.5 cm sind 8 Melodien untergebracht. Ein ähnliches Prinzip finden wir bei der Drehorgel, die 1895 von Bacigalupo und Grafiggna in Berlin in der Schönhauser Allee gebaut wurde. Eine Walze mit 8 Musikstücken wird durch Drehen bewegt.
Über Hebel (Stecher) werden die entsprechenden Orgelpfeifen geöffnet. Die Luft kann durch die geöffnete Pfeife strömen und bringt diese zum Klingen. Gesteuert werden die Hebel durch Stifte, die in die Walze eingeschlagen wurden. Die erforderliche Luft wird durch einen Blasebalg erzeugt, der ebenfalls durch das Drehen der Kurbel in Bewegung gesetzt wird. Nachweisbar sind erste Drehorgeln in der Literatur um 1700. Oft waren sie das Begleitinstrument der Moritaten- und Bänkelsänger, der Bärendresseure und Feuerschlucker.
Zu Zeiten von Friedrich II. und Maria Theresia wurden in Preußen bzw. Österreich an Kriegsinvaliden Lizenzen zum Drehorgelspiel erteilt. Meistens waren es kinderreiche Familien, die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten mussten. Um 1900 konnten durch die industrielle Fertigung Drehorgeln in großer Stückzahl kostengünstiger gebaut werden. Giovanni Battista Bacigalupo lebte von 1847 bis 1914. Er kam 1867 aus Italien nach Hamburg, wo er gelegentlich mechanische Musikinstrumente reparierte. Seit 1873 lebte er in Berlin, wo er 1891 mit dem Orgelbauer Giuseppe Cocchi und dem Gastwirt Antonio Graffigna in der Schönhausener Allee 78 eine Firma gründete, die nach einiger Zeit über 50 Mitarbeiter beschäftigte.
Im Jahr 1903 löste sich diese Firma auf. Bacigalupo gründete an gleicher Stelle mit seinen beiden ältesten Söhnen die Firma Bacigalupo & Co., die zwei Jahre später wieder erlosch. Die beiden Brüder eröffneten nun jeder für sich ein eigenes Geschäft. Ein Enkel von Giovanni Battista Bacigalupo zog 1908 mit seiner Firma in die Schönhauser Allee 74, um vier Jahre danach die neuen Gewerberäume in der 74 a zu belegen. Bis zur endgültigen Geschäftsaufgabe 1975 arbeitete noch ein Angestellter bei der bis in die heutige Zeit bekannten Berliner Drehorgelfirma. Unsere Drehorgel wurde 1986/88 umfangreich restauriert. Der Ankauf aus Privatbesitz erfolgte 1965.
Die Orgel war damals weiß, mit roten Rosen bemalt. Bei der Restaurierung kam das originale Äußere mit den schönen Intarsien, die teilweise erneuert wurden, zum Vorschein. Die Orgel weist 38 Töne auf. Sie ist zweistimmig. Um die Jahrhundertwende erfolgte wahrscheinlich ein Umbau, bei dem die Walze ausgewechselt und die Klarinettenpfeifen durch Violinpfeifen (Streicher) ersetzt wurden. Das wurde notwendig, weil die Klarinettenpfeifen zu schnell verstimmten. Die runden Metallpfeifen sind sogenannte Zauberflöten - hohle Röhrchen die über Labium angeblasen werden.
Es ist völlig unverständlich, dass die Drehorgel in der Nazizeit und in der DDR bis zu den 60iger Jahren verpönt und das öffentliche Spielen sogar verboten war. Den Besuchern wird sie heute ständig vorgespielt, wobei sie bei den älteren Erinnerungen an die Kindheit weckt und für die jüngere Generation wohl eher ein Stück Nostalgie darstellt. Walzenspielwerke wurden abgelöst von Plattenspielwerken, die in der Sammlung mit einigen interessanten Geräten vertreten sind.
Um 1890 entstanden in Leipzig die beiden Polyphone und das Symphonion, in Dresden das Sirion, das für zweispurige Platten vorgesehen war. Die Platten sind auswechselbar und werden heute sogar wieder angefertigt. Auffällig sind die verzierten Gehäuse, die die Spielwerke schon vom Äußeren her kostbar erscheinen lassen. Das große Polyphon wurde restauriert und kann vom Besucher mit einem Geldstück in Betrieb gesetzt werden, wie es zur Zeit seiner Herstellung üblich war. Denn so manches Spielwerk hatte seinen Platz in der Gaststube, um die Besucher mit bekannten Melodien zu erfreuen. 

Später wurde diese Aufgabe oft vom elektrischen Klavier übernommen. Vor dieser Ausführung gab es zunächst das automatisch gesteuerte Klavier, in Amerika als Pianola 1897 erfunden. Das deutsche Pendant dazu ist das Phonola, das mit dem Klavier fest verbunden ist. Das Pianolo dagegen ist ein Vorsatzgerät, das vor jedes Klavier gestellt werden kann. Gesteuert wird es durch einen Lochstreifen, der über eine Lochleiste läuft und durch gleichmäßiges Treten zweier Pedale in Bewegung gesetzt wird. Dadurch wird ein Vakuum erzeugt. Wenn ein Loch geöffnet wird, strömt Luft in eine Leitung ein und öffnet das Ventil am Tonbalg, der an die Windlade angeschlossen ist und leergesaugt wird.
Das zum Loch gehörende Hämmerchen wird ausgelöst und schlägt die Klaviertaste an. Lautstärke und Tempo können durch entsprechende Hebel verändert werden. Es gehörte damals zum guten Ton, Klavier spielen zu können. Da wurde so ein Selbstspielapparat sicher gern aufgenommen. Die Erfindung hatte aber noch einen wichtigen musikhistorischen Aspekt, denn es war in der weiteren Entwicklung möglich, berühmte Pianisten Lochstreifen bespielen zu lassen und somit authentische Zeugnisse ihrer Kunst zu erhalten.  

Vom Streichholz bis zum Spazierstock - einfallsreiche Streichinstrumente

Stockgeige Spazierstockgeige

Kuriositäten sind bei den Streichinstrumenten in größerer Zahl vertreten, wobei das Wort kurios mit der Bedeutung seltsam vielleicht nicht immer zutrifft. Oft stecken hinter bestimmten Formen auch ernsthafte Gedanken, wie z.B. bei der Tiebel-Geige.
Der Markneukirchner Ingenieur Willy Tiebel hat um 1925 die Trichtergeige für die Aufnahme von Grammophonplatten entwickelt.
Mikrophone gab es damals noch nicht, aber der gebündelte Klang, der mit Hilfe des Trichters erzeugt wird, war für das Aufnahmegerät besser zu verarbeiten. Bereits um 1900 gab es die sogenannte Strohgeige, die aber etwas anders konstruiert war. Auch als Straßeninstrument fand die Erfindung von Willy Tiebel, die vom Geigenbaumeister August Glaesel baulich umgesetzt wurde, Verwendung.
So finden wir sie in Katalogen für Südamerika im Angebot. Ein Lausitzer Töpfermeister aus Kruschwitz hat es sich 1880 in den Kopf gesetzt, eine Geige zu bauen, und zwar aus dem Material, mit dem er meisterlich umgehen konnte. Es entstand eine Tongeige.
Die Streichholzgeige, gebaut im ersten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft, findet unsere große Bewunderung. Decke und Zargen bestehen vollständig aus Streichhölzern, der Boden ist aus Ahornspänen gearbeitet. Gespielt werden könnte sie, aber mit dem klanglichen Ergebnis wäre man, ähnlich wie bei der Tongeige, nicht zufrieden. 

Bei den stummen Geigen und dem stummen Violoncello wird ein Nichtklingen sogar gefordert, denn sie waren als Übungsinstrumente gedacht.
Ist es für den Anfänger sicher nicht empfehlenswert auf kaum klingenden Instrumenten zu üben, so war es für den Berufsmusiker mitunter unumgänglich, solche Hilfsmittel für Fingerübungen zu verwenden
.Die Spazierstockgeige, zu der sich bei den Holzblasinstrumenten noch zwei Stockflöten gesellen, trägt in ihrem Inneren den Bogen, an den man durch Abschrauben des Griffes gelangt. Gebaut wurden solche Instrumente in der Biedermeierzeit, als der Spazierstock regelrecht zur Kleiderordnung gehörte.

Zwei ausgefallene Streichbogen

Besondere Bauweisen bei den Musikinstrumenten sind für jeden deutlich sichtbar, aber kaum ein Besucher wird bemerken, dass es bei den ausgestellten Geigenbogen zwei Exemplare gibt, bei denen im Inneren des Auges, das im Ebenholzfrosch angebracht ist, ein Foto versteckt ist.
August Edmund Prager (1875-1956) baute einen Bogen mit so einem Foto (Inr.1915), auf dem er in seiner Werkstatt zu sehen ist.
Bogenbaumeister Bernd Dölling hat das 100jährige Jubiläum der Bogenbaufirma Dölling zum Anlass genommen, 100 Bogen für Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass zu fertigen mit einer speziellen Optik im Frosch. Einen Violabogen dieser Art hat er dem Museum zum Geschenk gemacht.

Die Vierteltonklarinette - der Instrumentenbauer als Wegbreiter kompositorischer Ideen

Gründe, ausgefallene Instrumente zu bauen, gibt es viele. Neben Stammtischwetten, die damit eingelöst wurden, gaben mitunter auch Experimente auf akustischem oder technischem Gebiet den Ausschlag für Neuentwicklungen. Der Musikforscher und Instrumentenbauer Theobald Boehm aus München baute 1847 erstmals eine Querflöte aus Metall mit einem nach ihm benannten Klappensystem, um dieses Instrument für die gewachsenen Anforderungen im modernen Orchester auszurüsten.
Es ist anzunehmen, dass der tschechische Komponist Alois Haba die Anregung oder sogar den Auftrag gab für die Herstellung einer Vierteltondoppelklarinette. Der Markneukirchner Holzblasinstrumentenbaumeister Fritz Schüller hat 1932 dafür ein Patent erhalten. Er hat nur ein einziges Instrument dieser Art gebaut und es 1944 ins Museum gegeben. Haba hat sich intensiv mit der Vierteltonmusik beschäftigt und auch ein entsprechendes Klavier bauen lassen, das sich in der Sammlung des Musikinstrumenten-Museums Prag befindet. 
Die Vierteltondoppelklarinette besteht aus zwei Röhren, die in ihrer Grundstimmung um einen Viertelton versetzt sind. Das kürzere Rohr entspricht der Normalstimmung, das längere klingt um einen Viertelton tiefer. Die Tonlöcher sind in der üblichen Art in chromatischen Abständen angebracht. Außer Halb- und Ganztönen kann man Viertelton- und auch Dreivierteltonschritte sowie weitere Intervalle spielen, die sich aus der Teilung ergeben. Sie klingen alle akustisch rein.
Die Handhabung erfolgt ähnlich wie bei der normalen Klarinette. Mit dem Öffnen oder Schließen eines Tonloches auf der einen Röhre wird gleichzeitig ein Öffnen oder Schließen auf der anderen Röhre erreicht. Das Umstell-Drehventil ist mit einem Hebel verbunden, der durch jeden Finger bewegt werden kann. Dadurch wird die Luft in das zu klingende Rohr geleitet. Schüller bewies mit der Konstruktion und baulichen Umsetzung der Klarinette, dass die Idee der Vierteltonmusik aus instrumentenbaulicher Sicht durchaus realisierbar ist. In der praktischen Musikausübung spielte sie allerdings keine Rolle. Demzufolge war auch kein Bedarf an entsprechenden Instrumenten vorhanden. Auch aus solchen Gründen kamen Instrumente ins Museum.

Spielerleichterungen oder kurzlebige Erfindungen für Gitarren

Um das Spiel auf der Gitarre zu erleichtern, gab es auch für dieses Instrument interessante Konstruktionen, die sich allerdings kaum durchsetzen konnten. So fällt eine Gitarre mit drei Hälsen auf, die nicht etwa für mehrere Spieler gedacht war. Ein Spieler hatte die Möglichkeit, zwischen drei verschiedenen Stimmungen zu wählen, d. h. er konnte mit nur einer Griffweise drei verschiedene Akkorde spielen.
Diese Gitarrenart sollte die Spielweise eigentlich erleichtern, aber auf Grund der damit verbundenen unbequemen Spielhaltung trat eher das Gegenteil ein. Um 1960 wurde in England eine Kunststoff-Gitarre für Elvis–Presley-Fans auf den Markt gebracht, die außer seinem Foto und Unterschrift auch einen Griffapparat aufzuweisen hat. Das Greifen der Akkorde erübrigte sich.
Es wurde durch Knopfdruck auch für jeden Ungeübten auf der Stelle möglich, ein Lied zu begleiten. Nur die rechte Hand musste die Saiten auf die übliche Art anzupfen. Ein ähnliche Apparatur wurde in Markneukirchen bereits um 1935 entwickelt. Es handelt sich um ein Gerät, das man auf dem Griffbrett jeder Gitarre befestigen konnte.
Die entsprechenden Tasten wurden mit den Akkordbezeichnungen versehen und übernahmen das Greifen der Saiten. Bis 1964 wurde die Guitarola in Markneukirchen hergestellt, eine große Rolle hat sie bei der Musikausübung wohl kaum gespielt.

   

Lustiges vom Instrumentenbau

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