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BeitragVerfasst: Sa 20. Jun 2009, 14:00 
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Liebe Spezialisten,
mir ist eine Uebel Bb-Klarinette zugeflogen, 19/5 mit Duodez, vernickelt, die vier mir neue Eigenschaften hat:

1) Sie wurde offenbar über Hug&Co, Zürich, vertrieben, denn selbiger Händler hat sogar einen Stempel am Unterstück hinzugefügt.
2) Sie hat zwei Seriennummern! Könnte das mit Hug zu tun haben? Der tiefere Stempel sagt 10547, der vom Schriftbild ältere 15662. Beide Nummern befinden sich an Ober- und Unterstück.
3) Der Register-Tubus ist aus Kunststoff, auf deutsch: Plaste. Weiß. Hat Uebel jemals selbst so etwas verwendet, oder ist das eher eine spätere Reparatur? Außer der Aesthetik ist das vielleicht gar nicht mal so uebel ;-) ... aber überrrascht hat es mich doch!
4) Der Trichter ist nicht aus Grenadill. Aus Kunststoff scheint er aber auch nicht zu sein... er hat eine deutliche Holzmaserung, die auf einer Seite durch Licht stark verblasst ist. Sieht beinahe aus wie Furnier. An einer Ecke ist ein winziges Stück herausgebrochen, das Material, das zum Vorschein kommt, sieht eher wie eine Fasermasse aus. Jedenfalls klingt es nicht wie Holz (beim Anklopfen, beim Reinblasen passt das Ganze schon ganz gut), nimmt auch kein Öl auf etc.

Trotz dieser weniger edlen Merkmale handelt es sich um ein feines Instrument. Da es keinerlei Bb/F-Mechanik hat, lässt das Gabel-F natürlich ein wenig zu wünschen übrig, aber ansonsten stimmt das Instrument sehr, sehr gut, bläst sich schon vor der Überholung wunderbar und hat einen vollen, gut konturierten und sehr beweglichen Ton.

Über Kommentare zu den Besonderheiten würde ich mich freuen!

Christian Dawid


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BeitragVerfasst: So 21. Jun 2009, 23:29 
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bilder " over all" sind von vorteil! -


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BeitragVerfasst: Mo 22. Jun 2009, 19:57 
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Habe Dir gerade ein paar Bilder "nach Hause" geschickt...


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BeitragVerfasst: Mo 22. Jun 2009, 21:58 
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ja, danke...

das wird eine interessante recherche, ich mache mit!

beste grüsse
ralph


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BeitragVerfasst: Do 27. Mai 2010, 14:59 
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Hallo!

Diese Recherche fände ich auch intressant - bloß, was ist denn dabei herausgekommen??!?
Besitze selbst in ähnliches Stück...

Herzliche Grüße
trötinette


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BeitragVerfasst: Do 27. Mai 2010, 15:54 
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@trötinette

du hast völlig recht .... = ist untergegangen, hier etwas info.

Die Geschichte der Firma Musik Hug, 1807–2007
Die Filialen
Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigten die Gebrüder Hug Agenten in verschiedenen Städten, die die Kundschaft mit Musikalien und Instrumenten versorgten und die Pakete der Leihabonnenten abgaben und in Empfang nahmen. In Luzern war dieses Depot zum Der „Opera Corner“ am Limmatquai Beispiel um 1870 beim Ehepaar Auer untergebracht, das ein Atelier „für neueste Pariser Corsets“ unterhielt. Man mag sich also vorstellen, dass sich vielleicht eine Dame nach dem Anprobieren mit Salonmusik eindeckte oder beim Abholen des Abonnementspakets ein Korsett bestellte.

Ein solches System erwies sich aber auf Dauer als zu uneffizient und kompliziert, und so wurden diese Agenturen nach und nach in regelrechte Filialen ausgebaut. Die erste entstand 1865 in Basel an der Freiestrasse 70, wo sie noch heute ihren Sitz hat. Sie bediente die musikliebende Basler Kundschaft, erlangte aber auch Bedeutung als Tor zur Romandie und zum Elsass. Bekannt wurde die Abteilung für historische Tasteninstrumente, die auch mit der 1933 von Paul Sacher gegründeten Schola Cantorum Basiliensis in engem Kontakt stand. 2001 wurde das Basler Pianohaus Eckenstein AG von Musik Hug übernommen.

Seit 1865 existiert ebenfalls die Filiale in St. Gallen, wo sich zuvor schon die älteste Hugsche Agentur befand. Von hier erreichte der Handel mit Musikalien und Instrumenten die Ostschweiz und auch Süddeutschland. Das Haus an der Ecke Marktgasse / Spitalgasse, das 1907 bezogen wurde, wurde 1983 / 84 grundlegend umgebaut, wobei nur die Fassaden bestehen blieben. Einerseits entstand das damals modernste Musikhaus der Schweiz, andererseits blieb die wertvolle Bausubstanz im Altstadtbild erhalten. Es war der erste Umbau, der nach dem neuen, von Erika Hug entwickelten Ladenkonzept vorgenommen wurde. Auf vier Etagen bot Musik Hug St. Gallen ein riesiges Sortiment.

1874. Das Geschäft expandierte zusehends, zumal ab 1938, als die Internationalen Musikfestwochen Luzern gegründet wurden, die eine Schar prominenter Musiker an den Vierwaldstättersee lockten. Persönlichkeiten wie Wilhelm Furtwängler, Beniamino Gigli oder Edwin Fischer kamen so in den Laden. Die Filiale, die seit 1971 an zentraler Stelle am Kapellplatz 5 ihren Sitz hat, hat in den letzten Jahren durch verschiedene Instrumentenausstellungen auf sich aufmerksam gemacht.

Von Luzern aus expandierten die Gebr. Hug 1887 auch nach Lugano, wo ein eigentliches Musikleben entstanden war. Das Geschäft florierte vor allem unter der einheimischen „Familiendynastie“ von Mario und Alberto Vicari. 1984 wurde sie verkauft.

Auch den Schritt ins Ausland wagte die Firma vor allem unter Emil Hugs Ägide. So entstanden Filialen in Strassburg, Konstanz, Lörrach und Feldkirch, vor allem aber – weitaus am folgen- und erfolgreichsten – in Leipzig. Etliche dieser Auslandfilialen wurden schon in der Wirtschaftskrise geschlossen. Mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Brand von Leipzig endete dieses Kapitel der Hugschen Firmengeschichte.


Zahlreiche weitere Filialen sind inzwischen noch entstanden und teilweise wieder verschwunden. Es zeugt ja auch von der Dynamik und Vitalität eines Unternehmens, dass Versuche gestartet werden, die je nachdem erfolgreich sind oder nicht. In Zürich- Aussersihl, Winterthur und Solothurn war Musik Hug sehr lange vertreten. Einstige Filialen in Neuchâtel, La Chaux-de-Fonds und Sion werden heute als Piano- Ateliers geführt. In Lausanne, dessen Laden man 1976 mit der Foetisch Frères SA übernahm, steht ebenfalls das Klaviergeschäft im Zentrum – und die grosse Steinway Hall Suisse Romande. In Genf etablierte sich Musik Hug, als man 2000 das renommierte Klaviergeschäft Kneifel SA übernahm.


Die Geschichte der Firma Musik Hug, 1807–2007
Der Verlag
Wäre Nägeli beim Notenverkauf geblieben, so wäre er kaum in finanzielle Nöte geraten, aber sein Ehrgeiz drängte ihn zum Verlegen, was zunächst unrentabler bleiben musste. Zum Glück allerdings hat er sich davon nicht abhalten lassen, denn seinem 1794 gegründeten Verlag kommt allergrösste Bedeutung zu, nicht nur wegen der Pioniertaten für die Musik Bachs, sondern auch in Hinblick auf das einheimische Musikschaffen. In den über 12’800 Verlagsausgaben der 213 Jahre währenden Geschichte spiegelt sich der Wandel des Musiklebens. Der Hug Verlag hat so die Schweizer Musikgeschichte begleitet – und wurde selber ein Teil davon. Er erhielt dadurch übrigens auch internationales Ansehen. Durch die Auslandsfilialen, vor allem jene in Leipzig, die ein riesiges Sortiment führte, wurde das Schweizer Musikschaffen exportiert.

Dies gilt zunächst für den Chorgesang, auf dem der Hug Verlag eine über die Grenzen hinaus reichende Bedeutung erlangte. Hier erschienen erste Sammlungen mit Liedern und Chorgesängen, bald auch die offiziellen Liederbücher des 1842 gegründeten Eidgenössischen Sängervereins. Das Repertoire war breit und verbreitet. Einige Lieder wurden zu regelrechten Hits. Wilhelm Baumgartners Lied Noch sind die Tage der Rosen von 1857 erreichte allein in der einstimmigen Ausgabe bis 1907 eine Auflage von über 90’000 Exemplaren.



Erweitert wurde dieses Sortiment, das in über 12’700 Titeln immer noch im Verlag am Limmatquai vorhanden ist, durch Volks- und Kinderlieder, dies bereits um 1900 etwa mit Sang und Klang aus Appenzell von 1898, der Singstubete von 1915 oder den Canti popolari ticinesi von 1917. Mit der in den 20er Jahren einsetzenden Jugendmusik- und Singbewegung wurde diese Tendenz zum Musizieren und Singen verstärkt. Der Hug Verlag hat sich hier von Anfang an beteiligt. Bis heute bilden solche Liederbücher einen wichtigen Bestandteil der Verlagsarbeit. Folgerichtig wurden auch Popsongs oder Chansons wie jene von Mani Matter für Chor gesetzt. Hinzu kommen die Kinderliederbücher, deren berühmtestes Chömed Chinde mir wänd singe, einst von der Firma Maggi übernommen, an einsamer Spitze steht.

Der Hug Verlag trat aber auch immer für das aktuelle Schweizer Schaffen ein. Komponisten wie Hermann Suter haben dem Verlag fast ihr gesamtes Oeuvre anvertraut. Bekannte Stücke sind hier erschienen wie Hans Hubers Sinfonien oder Willy Burkhards Oratorium Das Gesicht Jesajas. Von Beginn weg unterstützte Hug auch Othmar Schoeck, den bedeutendsten Deutschschweizer Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1907 bereits kündigt er die Lieder des gerade erst 21jährigen prominent an.

1905 hatte Emil Hug durch eine Geldspende zusammen mit dem Schweizerischen Tonkünstlerverein die sogenannte Schweizerische National-Ausgabe ins Leben gerufen, in der bis 1935 wichtige Stücke erschienen. 1974 erlebte dieses Mäzenatentum eine Neuauflage, als Adolf Hug jun. zu seinem 70. Geburtstag einen Spezialfonds zur Förderung des helvetischen Musikschaffens errichtete. In der damit eröffneten Editionsreihe Schweizer Musik des 20. Jahrhunderts erschienen seither mehr als hundert Werke, etwa von bedeutenden Komponisten wie Robert Blum, Erich Schmid, Jacques Wildberger, Rudolf Kelterborn, Hans Ulrich Lehmann, Heinz Marti, Eric Gaudibert, Hans Wüthrich, Rolf Urs Ringger, Roland Moser und Edu Haubensak.

Durch die Übernahme der Foetisch Frères SA gelangten 1976 übrigens bedeutende Westschweizer Werke zum Hug Verlag, so die Oratorien Le Roi David und Nicolas de Flüe von Arthur Honegger.

Schliesslich begleitete der Verlag das einheimische Musikschaffen auch dadurch, dass er – zuweilen unter beträchtlichen finanziellen Opfern – die Zeitschriften der Musikverbände herausgab. So ab 1876 das gerade fünfzehn Jahre junge Eidgenössische Sängerblatt, das bald darauf in Schweizerische Musikzeitung und Sängerblatt umbenannt wurde und das ab 1937 in zwei Zeitschriften aufgespalten wurde. Bis 1977 gab Hug das Sängerblatt heraus, bis 1982 die Schweizerische Musikzeitung.

Von jeher ein zentrales Wirkungsfeld war jedoch die Musikpädagogik, was sich infolge der von Nägeli und Hug propagierten Pestalozzischen Ideen fast zwangsläufig ergab. Zahlreich sind die bedeutenden Instrumentalschulen, die beim Hug Verlag erschienen sind. Erwähnt seien hier nur die Violinschule von Ferdinand Küchler (1911), die Anleitung für Gitarre und Ukulele von Hugo Fröhlin, die Schule für Panflöte des populären Simon Stanciu oder auch die New Vibraphone Method, die Jazz-Gigant Lionel Hampton 1981 zusammen mit Jean-Claude Forestier herausgab.

Durch die Verlagsnummer 10’000 für sein Spiel mit Tönen wurde 1955 der Komponist Kurt Herrmann geehrt, von dem schon zuvor mehrere Werke im Hug Verlag erschienen waren. Das Engagement von Rudolf Schoch, der bei Hug 1933 seinen Kleinen Lehrgang für das Blockflötenspiel herausgab, hatte gar musikpolitische Konsequenzen, denn bereits 1947 wurde der obligatorische Blockflötenunterricht in den Zürcher Primarschulen eingeführt, wodurch jedes Kind mit Musik in Berührung kam.

Aber auch solche Standardwerke werden ergänzt oder gar überholt, und so wurden in der Musikpädagogik immer wieder neue Ansätze gesucht. Der Hug Verlag trug dem Rechnung, indem er sein Angebot ausbaute. So übernahm er 1979 den Zürcher Musikverlag zum Pelikan mitsamt dem dazu gehörenden Plattenlabel Pelca, und er erwarb jüngst vierzig musikpädagogische Titel des Pan-Verlags. Besonders wichtig wurde in diesem Zusammenhang die Edition Conbrio, deren Verlagsprogramm 1999 teilweise zu den Hug Verlagen kam. Diese Edition hatte durch frische musikpädagogische Ideen auf sich aufmerksam gemacht und passte deshalb sehr gut ins hauseigene Programm. Die Musik wird hier auf ansprechende Weise erzählt, der Zugang ist spielerisch, aber deshalb nicht minder anspruchsvoll, neue Methoden werden erprobt, wie Kinder an die Musik herangeführt werden sollen.

Durch die Übernahme der Foetisch Frères SA gelangten 1976 übrigens bedeutende Westschweizer Werke zum Hug Verlag, so die Oratorien Le Roi David und Nicolas de Flüe von Arthur Honegger.

Schliesslich begleitete der Verlag das einheimische Musikschaffen auch dadurch, dass er – zuweilen unter beträchtlichen finanziellen Opfern – die Zeitschriften der Musikverbände herausgab. So ab 1876 das gerade fünfzehn Jahre junge Eidgenössische Sängerblatt, das bald darauf in Schweizerische Musikzeitung und Sängerblatt umbenannt wurde und das ab 1937 in zwei Zeitschriften aufgespalten wurde. Bis 1977 gab Hug das Sängerblatt heraus, bis 1982 die Schweizerische Musikzeitung.




ich selbst kann nur sagen, dass alle Instrumente die ich in der Hand hatte von absolut gehobenem Standard waren, anscheinend achtete man sehr auf Qualität.

Internas zu der Nummerierung sind nicht mehr vorhandne bei Hig, da hatte ich mal angefragt.
Zwischen Hug und Markneukirchen/Umland hat es auch einen sehr rengen Kontakt gegeben, einige Beschäftigte kamen auch von dort.

Es muss angenommen werden dass Hug seine vertriebenen Instrumente durchnummeriret hat! .. und das waren offenbar nicht wenige.
naja die schweizer eben! ;-) :rolleyes:


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BeitragVerfasst: Do 27. Mai 2010, 20:35 
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Wow!
Danke für diese unglaublich prompte und ausführliche Antwort!

Herzliche Grüße trötinette


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 Betreff des Beitrags: Re: Noch eine 18/5 FAUe
BeitragVerfasst: Mi 26. Nov 2014, 16:57 
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Dateianhang:
FAU4_04.jpg
FAU4_04.jpg [ 56.6 KiB | 3013-mal betrachtet ]
Diesen alten Thread greife ich jetzt auf, weil mir neulich eine ganz ähnliche einfachere FAUe gleichen Alters in gutem Zustand „zugeflogen“ ist: B- Klarinette Nr. 15002, also von 1955 oder 56, 18/5 mit Duodezimverbindung. Die Mechanik ist versilbert und etwas robuster, aber ähnlich ausgearbeitet wie bei den FAUe- Oehler- Modellen. Trichter, wie übrigens auch bei meiner Nr. 8642, aus rötlichem, leicht gemasertem Holz (das habe ich auch schon bei einem anderen Hersteller gesehen: Cocobolo?). Und auch bei dieser, was mir ebenfalls neu war, der Register- Tubus aus schwarzem Kunststoff.

Über solche „Mittelklasse“- Modelle, die FAUe vermutlich wohl auch in größerer Zahl produziert hat, kann man ja sonst nie etwas lesen. Die oben beschriebene wurde ja sehr gelobt. Meine „Neue“ macht von der Qualität des Holzes und der Mechanik und beim ersten Anspielen einen guten Eindruck. Ich muß sie nun aber erst überholen. Gibt es sonst Erfahrungen zu diesen Modellen?


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BeitragVerfasst: So 30. Nov 2014, 12:32 
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Beiträge: 28
Guten Morgen, MW und Chr. D.,

(wenn letzterer noch mitliest) !

"Pylades" hat sie also erstanden, die fünfbrillige FAU - das war mein erster Gedanke. Ich habe seit ein paar Monaten ein baugleiches Instrument, 14xxx, ungalvanisiert. Ich habe es erworben, weil mir Chr. D. vor einiger Zeit in einem Austausch per Mail sehr viel positives zu seiner fünfbrilligen FAU schrieb. (Ich weiss nun nicht, ob Ihr Hauptinstrument, von dem Sie mir schrieben, dasjenige ist, zu dem Sie 2009 hier geschrieben haben).
Ausserdem hat sich vor einem Jahr noch eine fünfbrillige mit Gabel-F-Verbesserung eingestellt, 15xxxer, als Dazukauf, sozusagen. Ich wollte eine andere FAU erstehen, und musste diese mitkaufen ....

Zu den Doppelnummerierungen der Schweizer Importeure, speziell Hug, habe ich hier vor ein paar Jahren schon einmal etwas geschrieben. Das sieht man öfter.

Das ist auch der Fall bei den Überblasventilen aus Kunststoff. Die Idee ist ja übrigens von einer sehr geschätzten Bamberger Werkstatt vor ein paar Jahren neu aufgegriffen worden.
FAU hat das in der Mitte der 50er Jahre gemacht, auch bei professionnellen Voll-Oehler-Instrumenten. Man findet diese Duodezimhülsen bei Instrumenten mit 14xxxer- und 15xxxer-Nummern. Meistens sind sie weiss, manchmal auch schwarz lackiert, was auch kompetente Benutzer und Klarinettenexperten schon zu dem Eindruck gebracht hat, es seien Ventile aus Grenadill verwendet worden.
Es ist aber ein Kunststoff, den ich noch nicht genauer identifizieren konnte.

Der Vorteil, jedenfalls theoretisch, ist, dass dieses Material ein ähnliches Temperaturverhalten wie das Holz hat und sich daher die Kondenswasserbildung weitgehend vermeiden lässt. Ein Nachteil ist, dass sich bei vielgespielten Instrumenten - die sind ja nun ca. 60 Jahre alt - deutliche Abnutzungserscheinungen durch den Wischer in der Bohrung zeigen.
Ich spiele relativ regelmässig auf einer Volloehler (mittleres Modell) mit 15tausender-Nummer, die so ein Ventil hat, ein viel gespieltes Instrument, aus wunderschönem weichem Holz, mit relativ enger Bohrung (14,55 Mittelzapfen).
Im Gebrauch sind mir im Vergleich mit meinen anderen FAU mit Metall-Ventilen keine wesentlichen positiven oder negativen Unterschiede aufgefallen. Lediglich B1 ist etwas matter als bei den meisten meiner anderen "Alten Uebel", zwar immer noch besser als bei allen Instrumenten, die man heute neu kaufen kann - hier beziehe ich ausdrücklich diejenigen mit spezieller B-Mechanik ein - aber nicht ganz so perfekt in der Skala wie bei den meisten Oskar-Oehler oder FAU-Klarinetten.

Um nach mal zu den "halbausgestatteten" Uebels zurückzukommen: es ist schon erstaunlich, welche Resultate in Punkto Ausgeglichenheit, Intonation und Strahlkraft die Werkstatt von FAU mit so magerer Klappenausstattung erreichen konnte. Ich habe das schon bei Es-Klarinetten Original-FAU häufig bemerkt, die ja in der Regel eine solche Mechanik haben. F2 als Gabelgriff ist in der Regel fast perfekt, B0 ist matter als mit 4 gegriffen. Wenn man einen F-Heber hätte, wären die Instrumente eigentlich ohne Einschränkungen einsetzbar. Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt .... gut, plus eine Bechermechanik .... aber da wird's dann doch ein halber Neubau, und vielleicht verliert man im Endeffekt etwas von dem, was Chr. D. vor ein paar Jahren so treffend als "Eleganz" dieser Instrumente charakterisiert hat. Die Strahlkraft profitiert deutlich von der leichteren Mechanik.

Wieviele davon gebaut worden sind - das ist noch ein kleines Forschungsproblem. Man weiss ja, dass zwischen 1936 und 1963 im Schnitt gut 400 nummerierte Instrumente gebaut worden sind (Nummerierungen nachweisbar von 6900 bis 17960). Darunter waren ein paar Boehmflöten (auch Piccolos), noch weniger Oboen, das meiste waren Klarinetten. Vor dem Krieg war die Werkstatt sehr viel grösser als nach dem Krieg, auch das ist gesichert.
Aber was den Anteil der vollausgestatteten Instrumente an der Produktion angeht, so ist man bislang auf Schätzungen beschränkt. Der in diesen Fragen kompetenteste Experte (oder einer der kompetentesten, Exklusivität in diesem Bereich ist wohl nicht möglich), der in den Niederlanden wohnt und vielleicht hier mitliest, geht von einem Anteil von 80 Solisten-Sätzen an der mittleren Jahresproduktion von 400 Instrumenten aus, was dann knapp die Hälfte wäre. Daneben sind mit Sicherheit Oehler-Instrumente auch einzel als B- oder (seltener) als A-Klarinette bestellt, hergestellt und verkauft worden.

Wenn man sich an dem orientiert, was heute angeboten wird, so entsteht doch der Eindruck von einem Schwerpunkt der Produktion bei den vollausgestatteten Oehler-Klarinetten. In Ermangelung genauerer Daten kann man wohl davon ausgehen, dass die vollausgestatteten B- und A-Klarinetten gut 50 % aller Original-FAU-Instrumente ausmachen, und der Rest sich auf sechsbrillige (auch da gibt es wunderschöne Exemplare, auch in A), fünfbrillige oder gar vierbrillige B-Klarinetten sowie hohe Klarinetten und C-Instrumente, tiefe Klarinetten, Flöten und ganz wenige Oboen (habe ich ehrlich gesagt nur einmal gesehen) verteilt.

Allen gemeinsam ist eine herausragende Qualität - der Eindruck, "die haben ganz genau gewusst, was sie machen" - und ein Savoir-Faire (B1 !), das heute offenbar teilweise verloren gegangen ist oder das man, weil so viel Handarbeit damit verbunden ist, heute nicht mehr bezahlen kann oder will.

Grüsse aus Grenoble

C.E.


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BeitragVerfasst: So 30. Nov 2014, 13:54 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1397
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
hallo C.E.

ich liebe solche beiträge - danke vom herzen.

Ralph


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BeitragVerfasst: So 30. Nov 2014, 16:39 
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Registriert: Mo 15. Mär 2010, 19:27
Beiträge: 80
Ja, auch von mir vielen Dank. Ich zähle mich nicht zu den Experten, hatte aber bei dieser „kleinen“ FAU ein gutes Gefühl und hoffe, daß sie ein ebenso feines Instrument wird wie hier von Christian beschrieben. M.W.


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BeitragVerfasst: Mo 10. Jun 2019, 18:25 
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Registriert: Mo 15. Mär 2010, 19:27
Beiträge: 80
Nach langer Zeit wieder etwas über "kleine" F.A.Uebels:
Gerade werden in der "Bucht" zwei angeboten:
B 18/5 Nr. 14046 und C, 4 Ringe, doppelt numeriert: 11002 und 7383 (ist das vielleicht wieder Hug?)


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