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BeitragVerfasst: Do 21. Apr 2016, 9:45 
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Registriert: Do 14. Apr 2016, 20:38
Beiträge: 3
Hallo liebe Spezialisten,
über ebay habe ich Teile einer Gitarre, Modell "Echo" gekauft (Korpus, Hals und Schlagbrett). Eigentlich wollte ich nur ein Restaurationsobjekt für einen preiswerten Einstieg in das Thema Jazzgitarren. Doch je mehr ich zu diese Gitarre recherchiere, desto interessanter wird die Geschichte zu der Gitarre für mich. Jetzt bin ich auf der Suche nach allen Informationen, die ich zu diesm Modell bekommen kann und denke hier finde ich die Experten.
Für eine Jazzgitarre ist die Wölbung von Decke und Boden sehr flach. Der Boden ist beleistet wie bei einer Konzertgitarre, an der Decke kann ich eine parallele Beleistung mit Verstärkung im Stegbereich ertasten. Hier ein paar Bilder:

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Speziell interessieren mich folgende Fragen:

1.) Ist das Modell von Musima / Martin Graubner?
2.) Wann wurde diese Gitarre ungefähr gebaut?
3.) War sie zufällig auch für den Export nach Düsseldorf (Musikhaus Jörgensen) bestimmt?
4.) Wo war das dieses Modell preislich anzusiedeln (Einsteigermodell, Mittelklasse, High-End)?
5.) Gibt es eine nicht-sichtbare Halsverstärkung?
6.) Handelt es sich um eine gesperrte Decke?
7.) Was kann ich klanglich nach Reparatur/Restauration erwarten?
8.) Wie wurde die Hals-Schraubverbindung hergestellt (Einfach Schraube-Mutter oder ist eine Gewindehülse im Korpus)?
9.) Welcher Lack wurde damals verwendet (Ich möchte den Lack erhalten, nur ausbessern und überlackieren)?

Alle Infos zu Geschichte dieser Gitarre sind für mich hilfreich.


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BeitragVerfasst: So 24. Apr 2016, 9:47 
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Registriert: Mi 25. Aug 2010, 9:49
Beiträge: 52
Wohnort: Trostberg Obb
Hallo, ich könnte einen Ausschnitt aus dem Jörgensen-Katalog von 1957 schicken, wo die "Echo" und die "Solo" abgebildet sind, wenns hilft. LG hinnerk


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BeitragVerfasst: So 24. Apr 2016, 12:53 
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Registriert: Do 14. Apr 2016, 20:38
Beiträge: 3
Hallo Hinnerk,
danke für das Angebot. Ich nehme jeden Informationskrümel gerne. Da wäre der Jörgensen Katalog doch schon eine große Hilfe.


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BeitragVerfasst: So 24. Apr 2016, 18:06 
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Registriert: Fr 15. Nov 2013, 16:26
Beiträge: 106
Soweit ich weiß, hat Stefan Lob eine Zeit lang über Graubner geforscht und einiges zusammen getragen, aber noch nicht auf seiner Webseite online gestellt. Schick ihm doch mal ne PM, sein Username hier ist STELOL

Und Vorsicht beim Lack !!!!! Ich bin bei der Restauration einer Graubner Rex mal allerübelst aufgelaufen, Graubner war wohl ein unermüdlicher Forscher der vor allem mit Lacken rumexperimentiert hat, ich hatte eine Rex mit dem sog. "Scandia Lack" erwischt (nannte sich in der Werbung damals auch "Wasserheller Schwedenlack"), dessen Rezept wohl leider verloren gegangen ist. Es weiß niemand mehr so richtig, um was es sich dabei handelte und mein Kunde damals wollte kein Geld für eine Lackanalyse ausgeben. Ich vermute (!!!), dass Graubner versucht hat den damals gebräuchlichen Spirituslack gegen "etwas" zu ersetzen, was wasserlöslich ist aber die Maserung trotzdem anfeuert. Jedenfalls kann ich nur davor warnen, an dem Lack rum zu fummeln falls es es nicht eindeutig Schellack, Nitro oder Spirituslack ist, der Schaden wäre enorm ! Am besten professionell aufpolieren lassen und gut iss - die Gitarre ist alt darf daher auch so aussehen.

Zu Deinen Fragen (soweit ich sie beantworten kann):

1. Graubner

2. 50´er/60´er Jahre

5. Wenn der Hals wie bei der Rex gesperrt ist eher nicht, ansonsten könnte es gut sein, dass der Hals durch eine nicht einstellbare Einlage verstärkt wurde (Klopftest und/oder röntgen)

6. Ich denke ja, sieht man von innen mit einem Spiegel

8. Dort sitzt ein sog. "Rubner Anker" dessen Hülse im Halsklotz sitzt

9. siehe oben


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BeitragVerfasst: Di 26. Apr 2016, 11:11 
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Registriert: Do 14. Apr 2016, 20:38
Beiträge: 3
Danke für die bisherigen Hinweise und Hilfen, speziell für die Warnung mit dem Lack. Die Decke ist tatsächlich gesperrt, an der Halstasche ist kein Binding, da kann man die drei Schichten sehen, nachdem etwas Lack abgekratzt wird. Der Hals ist gesperrt und mit starkem Magneten finde ich kein Eisen, also unverstärkt (Habe gerade kein Röntgengerät zur Hand :sad: ).

Bei gebrauchten Graubners habe ich schon mal Hinweise auf durchgebogenen Hals gesehen. Hat jemand Erfahrungen mit diesen unverstärkten Hälsen? Verziehen die sich mit der Zeit?
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich komplett neu lackieren werde; in dem Fall würde ich von der Rückseite einen Halsstab einbauen (wie bei 7ender-Hälsen).


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BeitragVerfasst: Di 26. Apr 2016, 14:53 
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Registriert: Fr 15. Nov 2013, 16:26
Beiträge: 106
Meist verziehen sich die gesperrten Hälse weil die Gitarren entweder falsch gelagert werden (zu trocken / zu feucht) und/oder Saiten aufgezogen werden, die einen viel zu hohen Saitenzug aufweisen und den Hals im Laufe der Zeit krumm werden lassen.

Wenn der Hals hier noch in Ordnung ist, einfach so lassen und schauen, ob man eine vernünftige Saitenlage einstellen kann. Falls ja, Stahlsaiten mit einem niedrigen Saitenzug verwenden, die Firma Pyramid hat da extra was für ältere Schlaggitarren im Programm.

Falls es auf eine Politur des originalen Lackes hinausläuft, nur Polierwachs und Lammfell-Schwabbel verwenden, keine flüssigen Polituren.

Ein Röntgengerät hab ich auch nicht, aber ich kann prima mit unserer Tierärztin, die so ein Ding in der Praxis hat und sich jedes Mal freut, wenn es mal etwas anderes zu röntgen gibt als immer nur Tiere :dirol:


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BeitragVerfasst: Di 26. Apr 2016, 21:41 
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Geigenbaumeister

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Beiträge: 446
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Gitarrenfreunde,

wenn ich mich als Geigenmacher da mal einbringen darf: Daß das Wissen über den SCANDIA- Lack verloren gegangen ist, stimmt so nicht ganz. Ich habe heute aus berufenem Munde Folgendes erfahren:

SCANDIA- Lack war ein rein schwedisches Produkt und wurde lange Zeit im VEB Musima eingesetzt. Es war ein Zwei- Komponenten- Heißspritzlack auf Kunstharzbasis. Die Verarbeitung war nicht ganz einfach, da die Raumtemperatur relativ genau eingehalten werden mußte. SCANDIA- Lack mußte naß geschliffen werden.

Da für den schwedischen Lack Devisen ausgegeben werden mußten, war man froh, als er durch einen ebenfalls Zwei- Komponenten- Heißspritzlack aus dem VEB Lackfabrik Oberlichtenau abgelöst werden konnte. Dieser war dann auch für Trockenschliff geeignet.

Als Ergänzung, wenn auch nicht gefragt: Vor dem SCANDIA- Lack wurde als erster Kunstharzlack Leupolit aus dem Betrieb "VEB Leuna- Werke" verarbeitet. Das war wohl der erste schwabbelbare Lack in der MUSIMA. Wer über den Lack mehr wissen möchte, findet in dem Heftchen "Leupolit- Leumattin", das antiquarisch zu finden ist, mehr Informationen.

Schöne Grüße

Udo


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BeitragVerfasst: Mi 27. Apr 2016, 14:24 
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Registriert: Fr 15. Nov 2013, 16:26
Beiträge: 106
Servus Udo,

genial !!! Vielen Dank für die Infos, ich habe mir damals den Wolf zu dem Thema recherchiert, aber wohl an den falschen Stellen gesucht. Ich habe immer wieder nur Hinweise darauf gefunden, dass dieser Lack in der Graubner´schen Hexenküche entstanden sein soll, dass den auch die Musima verwendet hat ist ja echt ein Ding.

Dann kann ich aber auch mit Sicherheit ausschließen, dass die Rex die ich damals versaut habe damit lackiert war - einem 2k Lack hätte die verwendete Politur nichts anhaben dürfen.

Weißt Du, ob dieser Lack heute noch irgendwo verwendet wird, bzw. ob dieser noch hergestellt wird ?


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BeitragVerfasst: Do 28. Apr 2016, 9:38 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 446
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Dirk,

ich habe wohl vorgestern mit meiner vielen Fragerei Herrn Voigt etwas überfallen. Er arbeitete sowohl in der Musima als auch später für Oberlichtenau und gab mir die Informationen. Gestern rief er mich dann an und korrigierte ein paar Dinge aus seiner Erinnerung, die ich vorgestern voller Freude gleich hier weitergegeben hatte. Hier die Korrekturen:

Vor SCANDIA kam neben Leupolit ein Lack Tempolin(e) 47 (Her Voigt sprach es "vier - sieben" aus) zum Einsatz.

Der SCANDIA- Lack war ein EIN-Komponenten- Heißspritzlack. Er machte "höhere End- Filmdicken" möglich.

Dann folgte aus Leuna "H55", ebenfalls ein Einkomponenten- Heißspritzlack.

Anschließend wurde der Zwei- Komponenten- Lack aus Oberlichtenau eingeführt. Den Namen habe ich als Michelcard 10-10 verstanden. Dieser wurde wohl kalt gespritzt und war der erste, der den effektiveren Trockenschliff erlaubte.

Es tut mir leid, daß ich womöglich damit einige Verwirrung gestiftet habe. Aber ich hatte mich so gefreut, neue Informationen liefern zu können, daß ich gleich alles "brühwarm" reingeschrieben habe...

@Dirk: Zu Graubner kann Dir Herr Voigt sicher auch mehr sagen, vielleicht auch, ob gegenwärtig solcher Lack noch produziert wird. Du bekommst eine PN von mir.
Liebe Grüße

Udo


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 Betreff des Beitrags: Wasserheller Schwedenlack
BeitragVerfasst: Di 07. Jun 2016, 17:06 
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Registriert: Fr 15. Nov 2013, 16:26
Beiträge: 106
Es gibt anscheinend nichts, was man nicht mit etwas Nachforschung noch in Markneukirchen auftreiben kann - ich habe mir quasi als kleines Reiseandenken eine noch verschlossene Dose "Wasserhellen Schwedenlack" von SCANDIA (Leupolit) mitgebracht ! Der Lack ist sehr alt und ich habe die Dose mal aufgemacht, ist noch alles flüssig und scheint in Ordnung zu sein. War nicht ganz einfach davon noch etwas aufzutreiben, aber hat dann letztendlich geklappt, vermutlich ist es die letzte Dose seiner Art.

Falls also jemand ein altes Instrument zur Reparatur/Restauration auf der OP-Tisch hat welches mit diesem Lack gespritzt wurde, kann er sich gerne an mich wenden. Ich habe die 1 Liter Dose umsonst bekommen, und gebe den Lack auch gratis an Kollegen ab, damit man die Instrumente fachgerecht ausbessern kann. Zur Verarbeitung hat Udo ja in seiner letzten Mail schon einiges geschrieben. Ich habe den Lack selber noch nicht getestet und kann daher nicht garantieren dass er nach so langer Zeit noch in Ordnung ist, aber zumindest optisch und haptisch macht er einen ganz normalen Eindruck.


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