Bratsche von Louis Braun aus Erlbach

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Görner223
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Bratsche von Louis Braun aus Erlbach

Beitrag von Görner223 »

Hallo,

bei einer Beräumung eines Dachbodens hat meine Frau eine Bratsche gefunden (Siehe Foto anbei). In der Bratsche ist ein Zettel mit folgendem Text: "Louis Braun, Erlbach Bez. Zwickau" Bei der Bratsche hatten einige Teile gefehlt und nun haben wir sie vor kurzem von einem Geigenbauer wieder herrichten lassen.
Von einem Genealogen, der sich mit dem Namen Braun in Erlbach beschäftigt hat, habe ich erfahren, dass es in Erlbach zwei Instrumentenmacher gab, die vielleicht in Frage kommen, nämlich einen namens Karl Louis Braun (1871-1946) und vorher einen Carl Louis Braun (1843 - 1928). Haben sie Informationen zu diesen Instrumentenmachern und kann die Bratsche vielleicht einem der beiden Instrumentenmachern zugeordnet werden?
Die Bratsche an sich hat keine übliche Form. Ich erhielt die Mitteilung, dass in der Vergangenheit öfters bei Bratschen mit der Form experimentiert wurde.

Freundliche Grüße
Ulf
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Bratsche Louis Braun.JPG

Mario Weller
Metallblasinstrumentenbaumeister
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Re: Bratsche von Louis Braun aus Erlbach

Beitrag von Mario Weller »

Hallo Ulf,

aus meiner "Metallblasinstrumenten-Ecke" kann ich Ihnen berichten, dass der Ihnen aufgeführte Karl Louis Braun (1871-1946) ein Metallblasinstrumentenmacher war. Daher dieser als Hersteller Ihrer Bratsche wohl nicht in Frage kommt.

Viel Erfolg bei der weiteren Recherche und ich hoffe, dass sich Ihrer Sache noch einige Fachleute / Streichinstrumentenmacher annehmen werden.


Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller

Udo Kretzschmann
Geigenbaumeister
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Re: Bratsche von Louis Braun aus Erlbach

Beitrag von Udo Kretzschmann »

Hallo Ulf und Mario,

aus meiner "Streichinstrumenten-Ecke" kann ich leider auch nicht viel mehr dazu beitragen.

Es könnte schon eine Bratsche sein, es stimmt durchaus, daß bei diesem Instrument mehr experimentiert wurde, als bei der Geige. Aber irgendwo ganz hinten im Hirnskasten spukt mir ein anderer Begriff wie Viomele oder Vilomele herum, ich bin jedoch noch nicht fündig geworden. Vielleicht fällt ja der Groschen noch... Ich kann aber auch völlig daneben liegen.

Ein Geigenbauer Louis Braun ist mir nicht bekannt.

Interessant ist der Zusatz "Bezirk Zwickau", einen (Regierungs-)Bezirk Zwickau gab es nämlich meines Wissens nur von 1938 bis 1946, vorher Kreishauptmannschaft. So richtig hilft das aber auch nicht weiter.

Viele Grüße

Udo

Udo Kretzschmann
Geigenbaumeister
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Re: Bratsche von Louis Braun aus Erlbach

Beitrag von Udo Kretzschmann »

Hallo miteinander,

ach ja, die Orthographie war noch nie meine Stärke. Jetzt ist mir wieder eingefallen, was ich im vorherigen Beitrag meinte, eine Philomele. Könnte es sich um eine solche handeln,siehe:

https://www.europeana.eu/portal/de/reco ... 00901.html
Bild

Bei der Doppel-O-Suchmaschine findet man solche Instrumente, die dem vom Threadstarter abgebildeten noch deutlich näher kommen.

Gruß

Udo

Görner223
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Re: Bratsche von Louis Braun aus Erlbach

Beitrag von Görner223 »

Hallo Udo und Mario,

vielen Dank für die Beiträge. Ich habe auch mal geschaut, welche Streichinstrumente so eine Form haben und bin dabei auf eine Viola pomposa gestoßen. Allerdings hat diese, im Gegensatz zu unserem Instrument, 5 Saiten. Zu einer Philomele kann ich nichts sagen, da ich solch ein Instrument nur vom Namen her mal gehört habe. Der Geigenlehrer meiner Tochter meinte, dass es eine Bratsche mit einer besonderen Form sei.
Zum Hersteller selber ist der Tipp mit den 1930er und 40er Jahren ein Anhaltspunkt. Wenn der Hersteller einen eigenen Zettel in das Instrument geklebt hat, so hat er das Instrument bestimmt selbst vertrieben und nicht über die größeren Instrumentenhändler oder?
Im Adressbuch des Oberen Vogtlandes von 1929 gibt es nur einen Geigenmacher in Erlbach mit dem Namen "Braun". Er hieß Martin Braun und wohnte in der Braugasse 2. Vielleicht ist ein Sohn von ihm jener Louis Braun?

Viele Grüße
Ulf

Udo Kretzschmann
Geigenbaumeister
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Re: Bratsche von Louis Braun aus Erlbach

Beitrag von Udo Kretzschmann »

Hallo Ulf,

vielleicht bringen ja ein paar Maße ein wenig mehr Klarheit. Eine Viola pomposa ist ein doch recht imposantes Teil, Gesamtlänge ca. 75cm, Korpuslänge 45 bis 47cm und die Mensur, also die schwingende Saitenlänge beträgt etwa 42cm und dann hat eine Viola pomposa oft sehr hohe Zargen von 6 bis 9cm!

Dagegen hat die Philomele in Violinstimmung eine Gesamtlänge von knapp 60cm, für die Ausführung in Bratschenstimmung (Alt-Philomele) kenne ich keine Maße aber ich gehe adäquat von einer Gesamtlänge von vielleicht 68 bis 70cm aus.
Vielleicht ist ein Sohn von ihm jener Louis Braun?
Möglich ist das schon, aber wir werden es wahrscheinlich nicht heraus finden. Die Adreßbücher sagen nichts darüber aus und dank DSGVO & Co, die aus meiner Sicht nur Ahnenforschern etc. und kleinen Handwerkern das Leben schwer macht, aber die wahren Probleme der Infosammelwut von Internet- Giganten kaum antastet, besteht keine Chance, etwa über Standes- oder Meldeämter weiter zu kommen.

Viele Grüße

Udo

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