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Forum des Musikinstrumentenmuseums Markneukirchen
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BeitragVerfasst: Di 17. Okt 2017, 13:20 
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Registriert: Di 17. Okt 2017, 13:01
Beiträge: 5
Hallo

ich habe im Internet Ausagen gefunden, dass die ungewöhnlich gebauten Violinen, von Rigat Rubus aus Petersburg eigentlich aus Markneukirchen stammen sollen?
Weiß dazu jemand genaueres?

herzliche Grüße aus Berlin
Stefan


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BeitragVerfasst: Di 17. Okt 2017, 15:47 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 446
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Stefan,

das muß wohl stimmen, der Hersteller soll der Geigenbauer Ernst Wilhelm Glaß aus Markneukirchen gewesen sein.

Viele Grüße

Udo


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BeitragVerfasst: Di 17. Okt 2017, 18:36 
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Registriert: Di 17. Okt 2017, 13:01
Beiträge: 5
Ah Danke :-) Gibt es noch nähere Informationen? Können Sie das irgendwie belegen? Ich wüßte zugern, was die Idee hinter dem "Petersburger"Projekt war... Einen neuen Modelltyp ausprobieren?


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BeitragVerfasst: Mi 18. Okt 2017, 22:10 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 446
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Stefan,

Oskar Erich Heinel, selbst Geigenbauer und profunder Geigenkenner, hat diese Information dem Museum hinterlassen. Und da seine Lebenszeit die von Ernst Wilhelm Glaß (1860 - 1944) eine lange Periode überlappt, gehe ich davon aus, daß dies auch stimmt, Heinel höchstwahrscheinlich Glaß sogar gekannt hat. Ich weiß aber nicht, ob Glaß dieses Modell auch entwickelt hat, oder nur weiterführte, ja vielleicht auch nur einer anderen Werkstatt zuarbeitete?

Ich habe einen Zettel gesehen mit der kyrillischen Aufschrift "Ригарт Рубусь С. Петербургь 1850" Zum einen irritiert mich die Jahreszahl 1850, da lebte Ernst Wilhelm Glaß noch gar nicht und zum andern ist der Name recht interessant. Das ist bestimmt eine Transkription von Richard ins Russische. Also nicht, falsch zurück übertragen zu Riga(r)t, sondern Richard Rugus! Ich hatte schon die Idee, es könnte in St. Petersburg einen Geigenbauer Richard Rugus gegeben haben, aber in den Adreßbüchern finde ich leider keinen Rugus, schade.

Die Idee hinter der Geigenform? Ich sehe da zwei Möglichkeiten. Entweder wollte der Erfinder/Erbauer eine akustische Verbesserung erreichen, in dieser Zeit wurden viele Experimente durchgeführt und auch die sogenannten "Geigenverbesserer" waren da sehr aktiv. Leider wurde aber meist "verschlimmbessert"... Ein anderer denkbarer Grund könnte auch die Ökonomie gewesen sein. Randarbeit an einer Geige ist durchaus aufwendig, vielleicht wurde bei diesen Instrumenten manches maschinell durchgeführt oder der Rand einfach "wegrationalisiert"? Ich weiß aber nicht, wie die "Zargen" bei diesen Instrumenten beschaffen sind, ob da maschinelle Arbeit überhaupt möglich ist. Ein entsprechendes Patent konnte ich nicht finden und in der Hand hatte ich noch keine solche Geige.

Kann ich mir die Geige vielleicht einmal anschauen?

Mit freundlichen Grüßen

Udo


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BeitragVerfasst: Do 19. Okt 2017, 10:19 
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Registriert: Di 17. Okt 2017, 13:01
Beiträge: 5
Vielen Dank Udo,

1.
also Richard übersetzt mir google mit Ричард
ч und г könnten, gerade in Schreibschrift, verwechselt worden sein. Ich finde deine These, dass Rigart von Richard kommt plausibel.

Aber erstmal der Nachname:
Wußtest du, das Rubus lateinisch "Brombeere" heißt, das er eine Gattung aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) benennt?
Die Gattung umfasst mehrere tausend Arten, am bekanntesten sind Brombeeren und Himbeeren (Rubus idaeus).
Glaß hat offensichtlich bewußt auf einen russisch klingenden Namen verzichtet (und seiner Lieblingsfrucht die Violine gewidmet?)
Ich habe in google einen Inder oder Pakistani mit Namen Rubus gefunden.

Ja, du könntest dir die Violine ansehen. Ich wohne in Berlin - kommst du hier gelegentlich vorbei ?

2.
Kennst du Geigenverbesserungen, die gelungen sind? Weil du "meist verschlimmbessert" schreibst?
Gibt es etwa Modelle, die deutlich besser klingen als Strad.nachbildungen, aber zu ungewöhnlich waren um sich bei den traditionellen Musikern durchzusetzen?

3.
Könntest du mir noch was zu H.Th. Heberlein jr. schreiben?

Mit freundlichen Grüßen
Stefan


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BeitragVerfasst: So 22. Okt 2017, 17:57 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 446
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Stefan.

zu 1.
Tja, da sieht man wohl, wo die Macher der Doppel-o-Suchmaschine sitzen. Das ч ist das "tsche" und bei der englischen Aussprache von Richard paßt das dann plötzlich, nicht aber bei der Transkription aus dem Deutschen. Ich würde gefühlsmäßig für das "ch" ja das "x" = "cha" nehmen, aber soviel ich weiß, wurde da oft das г verwendet. Vielleicht kann uns dazu Heidrun mehr sagen, die kennt sich da viel besser aus.

Ob der Name was mit den Früchten zu tun hat, da kann man viel spekulieren. Ich glaube es eher nicht. Ist aber interessant.

Gelegentlich Berlin? Ja, wenn aller 5 Jahre gelegentlich ist ;-) Aber das Vogtland ist auch immer eine Reise wert!!

zu 2.
Nun ja, wenn ein Instrument eindeutig zu dick gearbeitet war oder wie bei ganz einfachen Instrumenten aus hiesiger Gegend einen eingestoßenene Balken hatte, da war schon Verbesserungspotential da. Ich möchte aber jetzt keinen Disput vom Zaune brechen, ob so etwas legitim sei.
"Geigenverbesserer" werden ja aber oft die Herrschaften genannt, die mit eher zweifelhaften Methoden sich an guten Instrumenten zu schaffen gemacht haben und dieses Unwesen teilweise bis heute betreiben, wie ich unlängst erst leidvoll an einem verdorbenen Instrument erfahren mußte. Diesen muß das Handwerk gelegt werden, wo immer möglich.

zu 3.
Das paßt nun wirklich nicht mehr in diesen Thread.

Schöne Grüße

Udo


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BeitragVerfasst: So 22. Okt 2017, 22:30 
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Registriert: Di 17. Okt 2017, 13:01
Beiträge: 5
Hallo Udo,
Ich wollte ja nur eine Erklärung dafür finden, wie es vom "ch" zum "g" gekommen sein könnte. Das erschein mir eine Möglichkeit.
Aber ist ja auch unwichtig, denn er hat ja dann auch selbst von der russischen zur deutschen Schreibweise zurück gewechselt.

Insgesamt finde ich die Namensgebung, jetzt, mit dem Wissen, eigentlich noch seltsamer.

Und dass Glaß die Violinen zurück datiert hat...
Warum ...
Wertsteigerung?
Vielleicht, dass niemand auf die Idee kommt, den Rigart Rubus in Petersburg persönlich besuchen zu wollen?
Jedenfalls muss er vom Baukonzept sehr überzeugt gewesen sein, er hat ja etliche in diesem Stil gebaut.

Meine ist noch nicht spielfähig, muss mal sehen, wann ich meinen Geigenbauer dazu kriege, sie mir fertig zu machen.
Aber wenn ich sie habe, mach ich mal ne Foto und versuche anzudeuten, wie sie klanglich auf mich wirkt.

Gruß
Stefan


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