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 Betreff des Beitrags: Die Sudetendeutsche Problematik
BeitragVerfasst: Sa 21. Jul 2007, 11:52 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1234
Wohnort: Markneukirchen
Ich habe das mal hierher verschoben:


Norbert schreibt (s. Vogtlandgitarren)

Hallo,

ich als Nicht-Vogtländer kenne den Begriff "Musikwinkel" aus DDR-Zeiten. In einem Urlaub lernte ich ein Ehepaar kennen und auf die Frage der Herkunft kam der Begriff "Musikwinkel". Für mich damals war das Klingenthal und Umgebung in den Grenzen der DDR. Die böhmische Seite hätte ich damals nicht mit einbezogen. Erst durch die Beschäftigung mit K&K und den Sudetendeutschen erweiterte sich das.

In einem muss ich jedoch Heidrun widersprechen: Die Tschechen gehen keinesfalls sehr offen damit um.Die Publikationen zu den geschliffenen Dörfern und der Vertreibung der Sudetendeutschen kommen (fast) ausnahmslos von Deutschen oder ehemaligen Sudetendeutschen oder deren Nachfahren. Ich hab da Einiges.
Man sieht es am besten in der Diskussion zum EU-Beitritt Tschechiens, den einige Deutsche an der offiziellen Abgrenzung zu den Benisch-Dekreten festmachen wollen. Eigentlich gehts dort nur um Nr.9...die Vertreibung der Sudetendeutschen. Und die Tschechen weigern sich mit Hand und Fuss.

Alljährlich finden grenznahe Treffen der alten Sudetendeutschen statt, die (meist) ohne Resentiments ihre alte Heimat besuchen wollen. Gern gesehn sind sie bei den Tschechen nicht.
Eine Aufarbeitung dieses nun wirklich dunklen Kapitels in der jüngeren Geschichte findet nicht wirklich statt. Das wird wohl auch noch eine Generation so weiter gehn.
Wenn man es offen anspricht, kann man ganz schnell in der revanchistischen Ecke landen.

Dieselbe Diskussion gibts ja mit den ehemaligen "Ostgebieten" (Schlesien/Pommern) auch.

Ein völkerrechtliches Unrecht wird durch verschweigen nicht irgendwann zum Recht.

Sorry fürs verstrubbeln, es passte halt grade, obwohl es mit Instrumenten nicht viel zu tun hat.

Grüsse Norbert


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Sudetendeutsche Problematik
BeitragVerfasst: Sa 21. Jul 2007, 12:27 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1234
Wohnort: Markneukirchen
Das alte Problem, man darf nicht verallgemeinern.

Ich habe aber wirklich in den letzten Jahren die Erfahrung machen könenn, dass es Tschechen gibt, die damit sehr offen umgehen! Es gibt über die Balthasar-Neumann-Stiftung in Cheb (Eger), also ganz in unserer Nähe, ein Balthasar-Neumann-Haus, in dem 2 mal jährlich die "Egerer Gespräche" stattfinden. Ursprünglich wurden sie mit Museen und vor allem mit Heimatstuben aus der bayerischen Grenzregion, die die Vertriebenen gegründet haben, veranstaltet. Irgendwann kam ich dazu und habe noch ein paar vogtländische Museumskollegen und Heimatforscher mit dorthin gebracht. Dort gab es Vorträge, sowohl von den Tschechen als auch von den Deutschen zu dieser Problematik. Wurde alles in Deutsch gehalten, was die tschechischen Kollegen (wegen der deutschen Großmutter) auch hervorragend können. Ich war positiv überrascht, von beiden Seiten, hatte nämlich eher so ein bisschen "Revanchismus" erwartet, war aber überhaupt nicht der Fall. Die Vorträge waren sehr sachlich und fachlich fundiert.
Das Problem, was die bayerischen Kollegen hatten, war eher das, dass die Heimatstuben keiner mehr besucht und sie sich fragen, was sie jetzt damit anfangen sollen, wenn die Generation nicht mehr da ist. In Marktredwitz gibt es deshalb seit einigen Jahren ein neues Egerlandmuseum, das die vielen kleinen Heimatstuben aufnehmen soll.
In der DDR gab es ja keine Vertriebenen, sie hießen "Umsiedler" und Heimatbriefe bekamen sie auf privatem Weg aus dem Westen. Diese wurden im Familienkreis vorgelesen und darüber diskutiert. Ich kann mich gut daran erinnern.

Es gab jedenfalls vom Museum Sokolov (Falkenau) eine Ausstellung mit den verschwundenen Dörfern, die dann auch bei uns gezeigt wurde. Dazu gibt es ein Buch, das zweisprachig ist und vom Sokolover Museum herausgegeben wurde mit Mitteln der EU, Deutsch-Tschechischer Zukunftsfond.
Auch hier gilt: die offizielle Meinung muss noch lange nicht die Meinung des Volkes sein. Und diese wiederum wird wohl wesentlich vom Bildungsstand und der persönlichen Einstellung bestimmt. (Ich habe noch keinen Amerikaner getroffen, der Bush gewählt hat. Als ich das einem sagte, meinte er, ich solle mal darüber nachdenken, was für Leute ich kenne. Alles klar.)

Na dann, ein schönes Wochenende
Heidrun


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