www.museum-markneukirchen.de

Forum des Musikinstrumentenmuseums Markneukirchen
Aktuelle Zeit: Mi 13. Dez 2017, 17:44

Alle Zeiten sind MEZ




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 40 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 7:25 
Offline
Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1234
Wohnort: Markneukirchen
Gabi hat geschrieben:
Das gibts hier aber auch noch. Nur daß bei uns die "älteren" Menschen wahrscheinlich noch älter sind und aus der Kriegs- bzw. Nachkriegszeit sind. Danach kamen ja schon die "Wegwerf-Menschen".
Ich kenne jemanden, der sich für jede Schraube, die er auf der Straße liegen sieht, bückt. Seine Garage sieht aus, wie ein Metall- und Werkzeug-Lager. Schränke und Regale an allen Wänden. Von der Decke kann man eine mit Seilzug eine Konstruktion herunterlassen, die aus einer großen Platte besteht, wo auch noch aller möglicher Kram draufsteht. Und auf dem Boden ist gerade mal Platz für die Fahrspur und ein kleiner Gang zum wieder-aus-der Garage herausgehen-können. :D :D
Aber solche Menschen sind die wahrsten Fundgrube! Wenn wir etwas ganz bestimmtes suchen und brauchen, heißt es nur: Frag mal Onkel Heinz! :mrgreen:

Aber 10 oder 20 Jahre weiter...dann sind diese Menschen wohl ausgestorben.


Mein Mann ist ein Onkel Heinz!! Aber neulich, war ich mal ganz beeindruckt. Da habe ich ihm gesagt, dass es eigentlich schade ist, dass wir damals überhaupt nicht daran gedacht haben, uns etwas aus der Werkstatt von Alfred Purde geben zu lassen. Daraufhin hat er mir aus dem Keller einen Korb gebracht mit Mechaniken seiner Gitarren und einem Tonabnehmer, darauf steht :Migma de luxe. Er hat mir auch schon aus alten Häusern, mit denen er was zu tun hatte, alte Unterlagen, Bücher usw. angeschleppt, die dann im Museum gelandet sind. Vieles , was in der Musima weggeworfen wurde 1990 ist bei uns gelandet, u.a. ein Honecker-Bild. Damit haben wir unseren Nachbarn beglückt, der ein privates DDR-Museum hat (der Junge ist jetzt 32). In dieser Generation, zu der gehört auch Mario, gibt es schon noch Interessenten.
Und da wir ein großes Haus haben, hebt man eben auch viel auf. (Warum haben wir ein Haus? Weil man in der DDR keine Wohnung bekam. An unserem Haus hingen 20 Erben - so war auch der Zustand . Wir waren jung, ohne (West)Geld und dank der Wende und mit viel Arbeitsaufwand haben wir es einigermaßen saniert. - Auch ein abendfüllendes Thema)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 7:50 
Offline
Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1234
Wohnort: Markneukirchen
Gabi hat geschrieben:
Irgendwo fiel hier mal der Begriff "Ostalgie".
Gibt es sowas tatsächlich bei den EX-DDRlern?
(außer Marios Trabbis.... ;) Die sind ja schon Kult! :mrgreen: )
Gibt es irgendwas DDR-typisches, das ihr persönlich auch gerne an eure nächste Generation weitergeben wollt?

Und wie sieht es die Jugend/die Kinder, die die DDR ja gar nicht mehr kennengelernt haben...gibts diese "Ostalgie" auch noch bei ihnen? Oder stehen sie nur mit Unverständnis davor....



Ich behaupte mal, dass es die bei der Generation, die nach der Wende geboren wurde, nicht mehr gibt, aber ich glaube, dass es mindestens noch eine Generation dauert, bis die Angleichung vollzogen ist. Aber da sollten wir mal die Jugend befragen. Norbert, vielleicht will sich eines Deiner 8 Kinder dazu äußern?

Es gibt aber wendegeschädigte Schulkinder durch den Umbruch im Schulsystem. Das ist, glaube ich, wissenschaftlich belegt.

Ich kann es auch aus meiner Museumspraxis bestätigen. Nach der Wende wurde alles sehr lasch gehandhabt. Heute habe ich wieder ein besseres Gefühl, wenn Schulklassen zu uns kommen. Sie sind interessiert und kotzen nicht gleich total ab, wenn sie zu uns müssen...Das liegt eben auch daran, wie der Lehrer sie darauf vorbereitet hat. (Dazu kann man auch noch viel sagen.)

Mit der Ostalgie-das sollte man nicht so ernst nehmen. Es ist doch so, dass man sich lieber an die schönen Dinge erinnert. Wenn man aber mal genau nachdenkt, dann fällt einem auch viel ein, was man heute nicht mehr haben will. Und die heutige Gesellschaft ist eben in vielen Dingen auch verbesserungswürdig. Wenn man das kritisiert, dann will man aber nicht gleich die DDR zurück.

Viele Grüße nach Mülheim,
Heidrun


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 8:19 
Offline

Registriert: Mi 04. Apr 2007, 16:17
Beiträge: 411
Wohnort: Mülheim/Ruhr
Guten Morgen Heidrun

Ich wollte gerade vorschlagen, meinen Beitrag hierher zu schubsen....da war es auch schon passiert. Bist du morgens immer soooooo schnell????? ;)

Das mit der Ostalgie...du bist da ja auch vorbelastet mit deinem Museum! :mrgreen:
Ist doch klar, daß du einen besonderen Such-Blick und eine besondere Sammelleidenschaft hast.... :D

Man hatte so direkt nach der Wende das Gefühl: Die sind froh, daß die DDR-Zeit vorbei ist. ganz schnell weg mit allem, was mit DDR zu tun hatte.
Es tauchten dann wohl noch DDR-Podukte in den Geschäften auf...aber ich glaube, das war nicht für lange.

Und auf einmal gabs die "Ostalgie"... ;)

Vielleicht kam es euch (eigentlich finde ich dieses "ihr" und "wir" total blöd!!!! Aber wie soll man es anders sagen :? ) nach der Wende auch nur so lasch vor? Weil es vorher das genaue Gegenteil war...


Zitat:
Es ist doch so, dass man sich lieber an die schönen Dinge erinnert.


Erzählt! :mrgreen:

_________________
Manchmal, wenn ich Ruhe brauche, setze ich mich in meine Bonboniere und ein Gummibärchen hält mir die Hand.

http://www.blockfloeten-museum.de


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 11:09 
Offline
Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1234
Wohnort: Markneukirchen
Gut in Erinnerung habe ich die Westpakete! Wie die schon gerochen haben! So riecht es heute nicht mehr, weil wir den Geruch wahrscheinlich ständig um uns haben. (Die DDR hatte ja auch ihren eigenen Geruch, hauptsächlich geprägt durch die Kohleheizung und die Trabbis.)

Und dann waren da Sachen drin wie Milka-Schokolade, Filzstifte, Kulis und sensationelle Patronenfüller. Wir haben mal eine Schallplatte von Jethro Tull bekommen, durfte eigentlich nicht geschickt werden - welch ein Glück, dass sie nicht herausgenommen oder in 1000 Stücke zerbrochen wurde, dem Zöllner sei Dank!

Es gab keine großen Einkaufsmärkte, höchstens einen Markt im Neubaugebiet (aber nicht zu vergleichen mit den heutigen). Wir hatten unsere HO an der Ecke (HO=Handelsorganisation der DDR). Da ging ich jeden Tag rein, weil man ja auch alles frisch kaufen musste, z.B. Milch und weil die jeden Tag "Gemüselieferung" bekamen. Ich war dort Stammkunde, also bekannt und konnte damit rechnen, dass ich abends noch eine Tüte zugesteckt bekam, die ich natürlich bezahlte, ohne zu wissen,was darin war. Es fühlte sich an wie Tomaten und entpuppte sich zu Hause als Paparikaschoten oder umgekehrt! Also gab es Paprikaschoten oder Tomaten. Rouladen gab es nur, wenn man zufällig welche bekam (oder sich früh oder am frühen Nachmittag anstellte, 1-2 Stunden waren keine Seltenheit) und das war in unserem Haushalt sehr selten, aber dann haben sie doppelt gut geschmeckt. Man muss dazu sagen, dass wir hier im Vogtland sehr schlecht versorgt wurden, weil es hier keine großen Betriebe gab. Am besten ging es den Berlinern. Ich bin mal mit meiner 4-Jähigen zu einer Freundin nach Berlin gefahren. Da sagte sie in der S-Bahn ganz laut: "Ne, Mutti in Berlin gibt es alles, vielleicht sogar Bananen." Es gab Bananen, zwar nicht in jedem Laden, aber in irgendeinem ganz bestimmt.

Was aber wirklich schön war, war der nachbarschaftliche Zusammenhalt, die Feten im Garten, die relative Sicherheit. Einbrüche oder Überfälle waren eher selten. Kinder gingen zur Schule, die im Ort war. Nur die Dorfkinder wurden gefahren. Man konnte auch nach 18.00 Uhr noch mit dem Bus fahren und der Urlaubsplatz war saubillig, dafür aber ebenso rar wie das Gemüse, dafür war die Freude riesig, wenn man einen hatte. Zum Urlaub in der DDR gibt es eine DVD, man glaubt gar nicht, womit man einen DDR-Bürger glücklich machen konnte. Frühstuck um 8.00 , Abendbrot um 18.00 Uhr. Wer später kam, hatte Pech bzw. blieb hungrig.

Apropos Essen, ich muss mich jetzt darum kümmern.
Heidrun


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 17:24 
Offline

Registriert: Mi 04. Apr 2007, 16:17
Beiträge: 411
Wohnort: Mülheim/Ruhr
Hallo Heidrun

was du erzählst, hört sich teilweise nach Nachkriegszeit und teilweise nach Dorf-Idylle an....

Ich bin gespannt, ob andere auch noch was erzählen.

:) Gabi

_________________
Manchmal, wenn ich Ruhe brauche, setze ich mich in meine Bonboniere und ein Gummibärchen hält mir die Hand.

http://www.blockfloeten-museum.de


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 20:05 
Offline
Mitglied des Museumsvereins

Registriert: So 29. Jan 2006, 16:48
Beiträge: 157
Wohnort: Markneukirchen
Code:
Irgendwo fiel hier mal der Begriff "Ostalgie".
Gibt es sowas tatsächlich bei den EX-DDRlern?


Also ich verbinde mit diesem Begriff heute eher Ossi-Partys in Discotheken wo die Leute mit nachgemachten FDJ-Hemden oder Retro-Shirts mit DDR-, ASV- oder GST-Emblem auftauchen und nachgemachte Long-Drinks schlürfen und Phudys, Karat oder andere DDR-Bands gespielt werden :mrgreen: Also nicht wirklich etwas, was mit dem DDR-Alltag auch nur annähernd zu tun hat. Ich kenne nur wenige Jugendliche die sich heute für die DDR noch interessieren, meißt sind das welche die durch irgend ein Hobby damit zu tun haben (und zu diesem auch erst durch Eltern oder ältere Geschwister gekommen sind) oder die sich eben generell für Geschichte interessieren.

Achja da hätte ich noch zwei schöne Bilder zum Thema:

Bild
Der linke bin ich alias Carl Eduard von Schnitzler (leider ohne Parteiabzeichen) :mrgreen:

Bild
Und daran erinnert sich wohl jeder gerne :D


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 21:22 
Offline

Registriert: Fr 01. Jun 2007, 9:15
Beiträge: 132
Hallo Gabi,

eine Ostalgie gibt es, genauso wie es Militaria-Fans gibt oder eine Gemeinde, die napoleanische Schlachten nachstellt. Ich glaube, das ist gut so und eben ein Hobby. Ich kenne da Einige, besonders Jüngere, die haben sich das voll auf die Fahne geschrieben, obwohl sie es nicht selber erlebt haben. Gerade dass ist ja intressant, aus dieser fremden Welt nach nachzuforschen und herauszubekommen, belegen zu können, usw. Wenn man es denn ernsthaft betreibt. Die "Ossi-Partys" sind ein Marketinggag just for fun.

Und wenn man sich mit Sammlern, egal welchen, mal näher beschäftigt, dann ist das wie eine Sucht. Eine Sammlung wird nie komplett!!

Ich kenne Einen, der sammelte ursprünglich "nur" DDR-Kofferradios. Jetzt hat er seine Jagdleidenschaft auf das NSW (Nichtsozialistische Welt) ausgedehnt und musste schon anbaun. :mrgreen: Solche privaten Sammler, oft belächelt, sind, so glaube ich, auch der Fundus für zukünftig entstehende Museen.
Dazu kommt das I-Net, wo sich Menschen mit derselben Leidenschaft treffen, die sich sonst nie begegnen. (Deswegen find ich die Idee eines Museums gut, ein Forum zu machen [es fehlt ein :thumbsup: smilie])

Heidrun, mein Ältester ist jetzt 27. Ich selbst Jg. 57 (ich nehm an, Du bist etwas jünger, rein vom Schreibstil und dem Querlesen her. Keine Bange, musst Du nicht sagen :mrgreen: )
Der, 1990 also 10 Jahre alt, hat ganz blasse Erinnerungen, kann mit Engpässen oder der damaligen Politik recht wenig anfangen und ist in die heutige Gesellschaft voll integriert.
Deswegen wird es keine 2 Genarationen dauern, bis wir den deutschen Einheitsbrei haben.

Und damit nicht nur die Trabbi-Fetischisten zu Wort kommen: Das ist neben der Musik eigentlich meine Leidenschaft :mrgreen:


Dateianhänge:
IMG_2520 [640x480] [%P].JPG
IMG_2520 [640x480] [%P].JPG [ 56.46 KiB | 8897-mal betrachtet ]
Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 21:44 
Offline
Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1234
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Norbert,

dass mich mein Schreibstil jünger macht, hätte ich eher nicht vermutet... Hast du etwa auch im März Geburtstag?
Meine Kinder merken den Unterschied zwischen Ost und West, hängt wohl hauptsächlich mit dem Geld der Eltern und Großeltern zusammen oder mit der Studienrichtung (BWL). Unsere Jahrgänge werden kaum Ostalgiefeiern veranstalten. Wer zieht schon freiwillig ein FDJ-Hemd an, wenn er es mal musste und nicht so toll fand? Also sind wir uns einig -die Partys sind ein Gag für junge Leute.
Das andere Thema ist wesentlich ernster und deshalb springe ich jetzt dorthin.

So ein Moped hatte mein Hauswirt auch, er war übrigens Mitarbeiter der Firma Hammig, Flötenbau und ist damnit immer zur Arbeit gefahren (nur, um mal wieder die Kurve zum Instrumentenbau zu kriegen).


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 22:00 
Offline
Mitglied des Museumsvereins

Registriert: So 29. Jan 2006, 16:48
Beiträge: 157
Wohnort: Markneukirchen
:roll: Oh, wenn ich das Bild sehe könnt ich heute noch aus der Haut fahren. So einen hatte mein Opa auch und dann hat er ihn kurz nach der Wende für 50 DM verscherbelt ohne zu fragen ob ihn jemand haben will :(


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2007, 22:01 
Offline

Registriert: Fr 01. Jun 2007, 9:15
Beiträge: 132
Heidrun....nachträglich.... *handschüttel*

Nein, ich Nulle im November :roll:

Auch das ist ein weites Feld: Private Sammler übernehmen eigentlich die Aufgabe des Staates, Kulturgut zu erhalten. Um es letztendlich doch in irgendeiner Form dem Staate zu Gute kommen zu lassen...

Da hör ich jetzt auf, weil ich will mich nicht bei immer noch 30 °C aufregen und den Herzkasper bekommen. Es ist aber eigentlich eine Schande.

GRüsse Norbert


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Di 17. Jul 2007, 7:49 
Offline

Registriert: Mi 04. Apr 2007, 16:17
Beiträge: 411
Wohnort: Mülheim/Ruhr
Zitat:
Nein, ich Nulle im November

Ich auch :mrgreen: allerdings ein paar Jahre später als Norbert...aber wirklich nur ein paar ;)

@ Mario
Asche auf mein Haupt: ich musste erstmal googlen, wer Carl Eduard von Schnitzler war :oops:
(Irgendwie habe ich mir Mario immer mit langen Haaren vorgestellt ;) )
Und das zweite Bild????? Was war das? Eine Kindersendung? :grübel:


@ Heidrun
Wieso merken deine Kinder den Unterschied zwischen Ost und West?
Waren sie nicht auch noch zu jung bei der Wende, um da konkrete Erinnerungen zu haben?

_________________
Manchmal, wenn ich Ruhe brauche, setze ich mich in meine Bonboniere und ein Gummibärchen hält mir die Hand.

http://www.blockfloeten-museum.de


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Di 17. Jul 2007, 16:47 
Offline
Mitglied des Museumsvereins

Registriert: So 29. Jan 2006, 16:48
Beiträge: 157
Wohnort: Markneukirchen
Das zweite Bild sind Herr Fuchs und Frau Elster und der kleine ist Pittiplatsch, alles Figuren aus dem allabendlichen Sandmännchen :) :zzz:


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Do 19. Jul 2007, 0:04 
Offline
Experte

Registriert: Mi 20. Jun 2007, 11:00
Beiträge: 541
Wohnort: Lohmar Hausen
Hallo liebe Freunde,

eigentlich wollte ich mich eigentlich in diesem Bereich zurückhalten aber ich muß wohl alleine aus dem Interesse am vogtländichen Gitarrenbau meinen Senf dazugeben.

Ganz ehrlich haben mich bis jetzt nur diese tollen Gitarren interessiert die in dieser Gegend entstanden sind und weniger die politischen Beweggründe. Was mich immer verärgert hat ist, das die Erbauer und deren Nachfahren keine Stolz entwickeln konnten solche tolle Gitarren gebaut zuhaben. Wenn man es mal ganz pragmatisch betrachtet liegt die Wiege des deutschen Gitarrenbaus in Ihrer Gegend und Firmen wie Höfner, Hoyer, Framus, Klira und andere hatten nur durch die Umsiedlung zwischen 1945- 1949 die Möglichkeit später in den 60ern zu solchen Weltrum zu kommen da sie das Handwerk aus dem Musikwinkel mitgebracht haben!

Jetzt mal ganz ehrlich auch der amerikanische Gitarrenbau seit Martin an ist in Ihrer Wiege erstanden!! Warum nimmt sich keiner dessen an!!!!

Wenn ich bei Ihnen arbeiten würde , würde ich den Gitarrenfreunden erst einmal erklären welches Erbe sie angetreten aber nie verwaltet habe!

Mag ja sein das es früher nicht die Mögichkeiten dazu gab aber jetzt stehen Ihnen alle Türen offen!

Treten Sie ein wenig!

Gruß,

STELOL

_________________
STELOL
STEfan LOb aus Lohmar
Ein Versuch die alten vogtländischen
Bezeichnungen wieder aufleben zu lassen!!!!!!

Im Netz unter http://www.schlaggitarren.de


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Do 19. Jul 2007, 18:52 
Offline
Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1234
Wohnort: Markneukirchen
Gabi hat geschrieben:
Zitat:

@ Heidrun
Wieso merken deine Kinder den Unterschied zwischen Ost und West?
Waren sie nicht auch noch zu jung bei der Wende, um da konkrete Erinnerungen zu haben?


Ich muss mich revidieren.
Das kleine Kind hat mir gesagt, dass sie den Unterschied nicht merkt, hat eher bei den Dozenten, die alle aus dem Westen sind, so ein gewisses Gefühl. Und das andere Kind hat BWL studiert und ich glaube, sie passte da generell nicht so richtig hinein. Ich war schon ziemlich schockiert, welche Ansprüche hinsichtlich Klamotten und Kultur da manche an den Tag gelegt haben. Da fährt die Gruppe nach Prag und was machen sie dort? Gehen in die Einkauszentren, die es ja nun auch endlich in Prag alle gibt. Meine war die einizige, die sich ein paar Museen angesehen hat und wenigstens ihre Freundlin kam auch in den Genuss, weil sie sie mitgezerrt hat.

Man sollte sich ja auch nicht an Einzelbeispielen orientieren, sondern so einen gewissen Druchschnitt sehen und da behaupte ich mal, dass Jugendliche schon den Unterschied merken. Es gibt ja viele Vogtländer, die 'gen Westen gehen, weil sie hier keine Arbeit bekommen und es ist bekannt, dass sie sich sehr schwer einleben. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das umgekehrt genauso ist und dass es auch am Landstrich liegt. Natürlich an jedem selbst, aber von den Leuten, die ich kenne, weiß ich dass sie aufgeschlossen und kontaktfreudig sind.

Mittlerweile wird sehr darauf gesehen, was einer für ein Auto fährt und wenn das unter dem Niveau einer Clique ist, dann akzeptiert man ihn nicht. Weiß nicht, ob das bei uns auch schon so verbreitet ist.

Ich wollte nur mal eine Antwort geben, aber vielleicht traut sich ja auch mal ein Jugendlicher seine Meinung zu schreiben ?

Heidrun


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Ostalgie ?
BeitragVerfasst: Do 19. Jul 2007, 20:42 
Offline
Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1234
Wohnort: Markneukirchen
STELOL hat geschrieben:
Was mich immer verärgert hat ist, das die Erbauer und deren Nachfahren keine Stolz entwickeln konnten solche tolle Gitarren gebaut zuhaben.
Jetzt mal ganz ehrlich auch der amerikanische Gitarrenbau seit Martin an ist in Ihrer Wiege erstanden!! Warum nimmt sich keiner dessen an!!!!

Wenn ich bei Ihnen arbeiten würde , würde ich den Gitarrenfreunden erst einmal erklären welches Erbe sie angetreten aber nie verwaltet habe!


STELOL


Ich weiß nicht, ob die Gitarrenbauer wirklich nicht wissen, welches Erbe sie angetreten haben. Vogtländische Instrumentenbauer sind sehr zurückhaltend und bescheiden, sie arbeiten lieber, ohne groß darüber zu sprechen. das ist zumndest de Erfahrung, die ich seit Jahren mache.

Martin ist ja 1833 nach Amerika gegangen und diese Geschichte lebt auf alle Fälle durch die eigene Familie, denn - wenn mich nicht alles täuscht- ist das die einzige ausgewanderte Werkstatt, die heute noch von der eigenen Familie betrieben wird, in der 6. Generation und Christian Friedrich IV. ist der Chef. Angeblich gibt es ein Schild an der Fabrik, wo auf den Ursprung in Markneukirchen hingewiesen wird. Nun ist der Martin ja auch mit leisem Groll von dannen gezogen und außerdem hat er den Gitarrenbau in Wien gelernt und ihn hier nicht sehr lange betrieben.
Aber ich muss Stelol natürlich recht geben. Ich wusste bis zur Wende nicht, wer der Martin ist, aber inzwischen haben wir eine Gitarre von ihnen und haben uns auch mit der Geschichte befasst. Ab und zu kommt mal ein Fan aus Amerika zu uns und fragt nach dem Haus, wo er gewohnt hat. Wir haben nie gewusst, was sie eigentlich suchen, bis man uns dann eine Zeichnung geschickt hat, die die Familie Martin beim Abschied vom Ortschronisten Crasselt geschenkt bekam. das Haus ist wahrscheinlich 1840 beim großen Stadtbrand vernichtet worden und diese Art von Häusern (kleines Holzhaus) gibt es heute nicht mehr oft, sonst könnten wir ja eins dazu ernennen ;) , vielleicht würden die Amerikaner dann zu uns strömen!!

Ich könnte mir vorstellen, dass unsere heutigen Gitarrenbauer vor allem Richard Jacob (WEißgerber) als Vorbild haben. Aber auch da muss ich gestehen, dass ich das nur annehme und auch nicht weiß, ob es uns einer sagt.

Hallo Stelol,

oder habe ich die Frage falsch verstanden? Die meisten Gitarrenbauer in den Betrieben und diejenigen, die früher für die Verleger gearbeitet haben, haben dies als Broterbwerb gesehen. Sie haben sich keine Gedanken darüber gemacht. Sie werden sich auch nicht darüber unterhalten haben, sondern lieber darüber, wie Bayern München am Wochenende gespielt hat.

Sommerliche Grüße
Heidrun


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 40 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3  Nächste

Alle Zeiten sind MEZ


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Sie dürfen keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie dürfen keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de