
250 Jahre Metallblasinstrumentenbau im Vogtland
In diesem Jahr können die vogtländischen „Waldhornmacher“, also die Meisterbetriebe des Metallblasinstrumentenbaus, das 250. Jubiläum ihres Handwerks begehen. Gefeiert wurde zwar bereits am 24. Mai, als das Rondell vor der JA Musik GmbH im Markneukirchner Gewerbepark in Isaak-Eschenbach-Platz umbenannt wurde und das Markneukirchner Blasorchester ein Festkonzert mit Leipziger Blechbläsersolisten gab. Der eigentliche Jahrestag für die erste Erwähnung eines Metallblasinstrumentenmachers in Markneukirchen ist aber erst der 26. Oktober. Denn auf den Tag genau heute vor 250 Jahren wurde Isaak Eschenbach als „musicalischer Instrumentenmacher“ und damit als erster Blasinstrumentenmacher des Ortes im Markneukirchner Kirchenbuch verzeichnet.
Dieser Ahnherr des neuen Gewerbes war Sohn eines Markneukirchner Tischlers, seine Lehre hatte er in einer angesehen Werkstatt in Leipzig absolviert. Knapp 30 Jahre später arbeiteten schon neun Meister dieses Fachs in Markneukirchen; die Jahresproduktion ihrer Werkstätten lag 1783 bereits bei 799 Metallblasinstrumenten. Am 26. Mai 1797 schlossen sich die Holz- und Metallblasinstrumentenmacher (umgangssprachlich die „Pfeifen- und Waldhornmacher“) in Markneukirchen zur „Gesellschaft musicalischer Instrumenten-Mechanici“ zusammen. Dies war eine innungsähnliche Vereinigung, deren Mitglieder nicht als Meister, sondern als„Herren“ angesprochen wurden.
Um die Wende zum 19. Jahrhundert begann sich der Metallblasinstrumentenbau auch auf Adorf (1791), Klingenthal (1799) und weitere Umlandgemeinden auszubreiten. Der erste Meister in einer langen Reihe ausgewanderter Blasinstrumentenmacher, die in deutschen Großstädten und auch im Ausland zu Ansehen kamen, ist Hof-Trompetenmacher Christian Wilhelm Liebel, ab 1788 in Dresden ansässig. Ca. 1826/27 stellte Johann Christian Wilhelm Heinel als nachweislich erster vogtländischer Meister eine Trompete mit Ventilen her, so dass die Region fortan auch an der stürmischen Entwicklung der Ventilinstrumente beteiligt war. Ab der ersten Weltausstellung 1851 in London finden wir vogtländische Blasinstrumentenbauer wiederholt auf nationalen und internationalen Messen und Ausstellungen.
1861/62 entstanden in Markneukirchen die beiden ersten Metallblasinstrumentenfabriken: die „geschlossenen Etablissements“ von M. Schuster jun. und Schuster & Co. Sie waren zugleich die ersten Fabrikbetriebe des vogtländischen Instrumentenbaus überhaupt. 1868 wurde in einer dieser Fabriken erstmals eine Dampfmaschine in Betrieb genommen. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte auch beim Metallblasinstrumentenbau die in anderen Zweigen des Instrumentenbaus übliche Arbeitsteilung eingesetzt: Neben dem eigentlichen Instrumentenbauer arbeiteten nun spezialisierte Zylindermaschinenmacher, Mundstückgießer und Schallstückmacher. Für die Herstellung von Signalinstrumenten wurde 1891 eine Fabrik gegründet, die vor allem durch die Entwicklung der Martin-Trompeten (Schalmeien) und des Martinshorns bekannt wurde.
Nach der Wende zum 20. Jahrhundert stagnierte der zahlenmäßige Aufschwung des vogtländischen Metallblasinstrumentenbaus. Einer der Gründe war die Konkurrenz direkt „vor der eigenen Haustür“, konnte doch das westböhmische Graslitz mit mehreren großen Fabrikbetrieben den vogtländischen Produktionsumfang an „Messinginstrumenten“ weit übertreffen. Neue Impulse gab es dann nach 1933: Während die Geigenbauer Notstandsarbeiten verrichten mussten, existierte für Blasinstrumente eine starke Binnennachfrage. Es formierte sich eine neue Innung, man gründete Liefergemeinschaften zur Ausstattung von Wehrmachtsorchestern und in Klingenthal wurden gar mit Hilfe arbeitsloser böhmischer Instrumentenmacher neue Firmen aus der Taufe gehoben.
Einer dieser Betriebe, die Firma Ernst Hess Nachf., bildete nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit der Deutschen Signal-Instrumenten-Fabrik Max B. Martin in Markneukirchen die Keimzelle des VEB Blechblas- und Signalinstrumentenfabrik (gegr. 1953), der sich zu einem der weltweit bedeutendsten Metallblasinstrumentenhersteller entwickeln konnte. Einige Privatfirmen wurden zwar in diesen Großbetrieb übernommen, erfreulicherweise kam aber während der DDR-Zeit die Existenz privater Familienbetriebe nicht völlig zum Erliegen.
Den Vertrieb der Instrumente übernahmen früher die in Markneukirchen ansässigen Händler. Erst am Beginn des 20. Jahrhunderts gelang es einigen spezialisierten Handwerkern, z. B. den Hornbauern der Familie Knopf, sich unabhängig von diesen so genannten „Fortschickern“ einen guten Ruf zu erwerben und direkte Kontakte zu Musikern zu knüpfen. Das war der Garant dafür, dass man in den Zeiten politischer und wirtschaftlicher Umbrüche (Weltwirtschaftskrise, Drittes Reich, sozialistisches Wirtschaftssystem, Wende und Wiedervereinigung) bestehen konnte. Mit ca. 300 Beschäftigten in 17 Handwerksfirmen und zwei modernen Industriebetrieben bildet der Metallblasinstrumentenbau heute die zahlenmäßig stärkste Branche im vogtländischen „Musikwinkel“. Bester Beweis für die heutige Qualität ist der Deutsche Musikinstrumentenpreis, der in den zurückliegenden Jahren gleich zwei Mal an vogtländische Meisterbetriebe (Jürgen Voigt und Bernhard Willenberg) vergeben wurde. (Enrico Weller)
|